Stillprobleme

Die 10 häufigsten Stillprobleme
und was du dagegen tun kannst

BABY, Wissen

Stillen ist wie Fahrradfahren. Jede junge Mutter muss es erst einmal lernen. Manchmal funktioniert es sofort, doch oft kann es zu Problemen kommen – gerade in den ersten Wochen. Hier sind die 10 häufigsten Stillprobleme und was du dagegen tun kannst

Stillen ist das Beste für dein Baby, denn die Muttermilch enthält alles, was es braucht ist nahrhaft und leicht verdaulich. Deshalb solltest du auch wenn es anfangs noch nicht so rund läuft nicht gleich aufgeben. Meist entwickelt sich zwischen Mutter und Baby innerhalb der ersten drei Monate eine gute Stillbeziehung. Sollte es doch zu Problemen kommen, so findest du hier hilfreiche Ratschläge:

Stillproblem 1: Ich habe zu wenig Milch

Ursachen für eine geringe Milchproduktion: Babys machen Wachstumssschübe, was ihren Appetit kurzfristig steigern kann. Das merkst du daran, dass dein Kleines quengelig ist und schon kurz nach dem Anlegen erneut Hunger hat und wieder an die Brust will. Gerade in Woche drei und vier kann das der Fall sein. Wenn du einen Kaiserschnitt hattest, dann kann es ebenfalls eine Weile dauern bis die Milchproduktion richtig angekurbelt wird, denn in der Regel erfolgt der Milcheinschuss dann mit etwas Verzögerung.

Das kannst du tun: Jetzt solltest du nicht nach Plan stillen sondern dein Baby so oft anlegen, wie es danach verlangt. Die Milchmenge wird in Wechselwirkung auf die Bedürfnisse und den Appetit deines Babys abgestimmt. Auch nachts solltest du das Kleine anlegen. Noch besteht kein Bedarf, zusätzlich mit Säuglingsnahrung zu füttern. Schon in drei bis vier Tagen hat sich deine Milchmenge wieder auf das Baby eingestellt.

Stillproblem 2: Meine Brust ist hart und tut weh

Ursachen für eine harte Brust: Gerade in den ersten Wochen muss sich deine Milchproduktion erst auf den Appetit des Babys einstellen. Das heißt, du hast vielleicht oft mehr Muttermilch als das Baby abtrinkt. Das kann zu einem sogenannten Milchstau führen. Darauf deuten ein Spannen in der Brust und schmerzhafte Stellen hin, die sich manchmal wie ein Knoten anfühlen können. Wenn die Milch in deiner Brust nicht abfließen kann, kommt es zu einer erhöhten Bakterienkonzentration. Darauf reagiert der Körper oft mit Fieber und der Produktion von weißen Blutkörperchen. Ein Milchstau kann häufig in den ersten Wochen nach der Geburt auftreten oder nach ein paar Monaten, wenn sich der Stillrhythmus des Babys verändert und es plötzlich durchschläft und eine Mahlzeit überspringt. Auch ein zu enger BH oder das Anlegen des Babys in immer der gleichen Position kann zu einem Milchstau führen.

Das kannst du tun: Wenn du merkst, dass das Baby weniger getrunken hat oder sogar eine Mahlzeit ausfallen lässt, kannst du die Milch abpumpen oder ausstreichen. Je schneller die Milch abfließt, desto eher ist der Entzündungsherd in der Brust beseitigt. Auch wenn es etwas schmerzt solltest du das Baby weiter anlegen. Achte darauf, dass es beim Trinken möglichst mit dem Kinn beziehungsweise dem Unterkiefer zu der schmerzenden Stelle zeigt. Zusätzlich kannst du an dem schmerzenden Punkt sanft massieren während des Stillens, das fördert das Abfließen der Milch aus dem verstopften Milchkanal. Vor dem Stillen kannst du die Brust unter einer warmen Dusche “entspannen”, das lässt die Milch leichter fließen. Ein warmer Umschlag tut es auch. Nach dem Stillen helfen Kühlpads, die dafür sorgen, dass sich der Milchkanal schneller wieder zusammen zieht. Keinesfalls solltest du mit dem Stillen aufhören. Dann kann es nämlich zu einer Brustentzündung, Mastitis genannt, kommen.

Stillproblem 3: Meine Brust ist rot und schmerzt

Ursachen für eine schmerzende, rote Brust: Ist eine Brust oder sind beide rot und geschwollen, dann handelt es sich nicht um einen verstopften Milchkanal sondern um eine Brustentzündung. Hier sind Anzeichen, bzw. Symptome einer Brustentzündung:

  • rote Stellen oder eine komplett gerötete Brust
  • die Brust fühlt sich an dieser Stelle heiß an
  • dir ist abwechselnd heiß und kalt
  • du hast erhöhte Temperatur (38,5 ° C)
  • die Gelenke schmerzen

Bei einer Brustentzündung musst du sofort ärztlichen Rat einholen und das Ganze behandeln lassen. Die Gründe für eine Brustentzündung können sein:

  • Bakterien, die über offene, rissige Brustwarzen in deine Brust gelangt sind
  • ein unbehandelter, verstopfter Milchkanal
  • falsches Anlegen beim Stillen
  • eine zu volle Brust
  • das Tragen von zu engen BHs
  • zu schnelle Entwöhnung des Babys von der Brust

Das kannst du tun: Stille möglichst weiterhin, die Milch ist für dein Baby völlig ungefährlich. Sinnvoll ist, deinem Baby die entzündete Brust zuerst anzubieten, denn dann kannst du davon ausgehen, dass es diese “leer trinkt”.

Gegen die Schmerzen kannst du Ibuprofen oder Paracetamol nach den Anweisungen auf dem Beipackzettel oder in Rücksprache mit dem Apotheker nehmen (kein Aspirin). Die nicht abgestillte Milch pumpst du am besten ab, denn angestaute Milch verschlimmert die Brustentzündung nur. Vor dem Stillen kannst du die Brust mit einem warmen Wickel oder einem angewärmten Kirschkernkissen vorbereiten – das fördert den Milchfluss. Nach dem Stillen tun gekühlte Pads auf der Brust gut, denn sie lassen die Entzündung zurückgehen. Wichtig ist, dass du dir jetzt Ruhe gönnst und ausreichend trinkst.

Stillproblem 4: Ich habe wunde Brustwarzen

Ursachen für wunde Brustwarzen: Die Haut an den Brustwarzen ist sehr empfindlich und an das regelmäßige Stillen noch nicht gewöhnt. In den ersten Tagen nach der Geburt kann dies zu wunden Stellen an den Brustwarzen führen.

Das kannst du tun: Meist heilen die Brustwarzen innerhalb weniger Tage ab und die Haut wird weniger empfindlich. Du kannst etwas Muttermilch auf den Brustwarzen antrocknen lassen, denn die lässt sie schneller abheilen. Sind die Brustwarzen nach einigen Wochen immer noch wund und empfindlich, kann dies auch von einer ungünstigen Anlegetechnik kommen. Am besten legst du das Baby Bauch an Bauch zu dir. Jetzt berührst du die Unterlippe des Kindes mit der Brustwarze, was einen Reflex beim Baby auslöst. Es wird den Mund ganz weit öffnen. Es soll die Brustwarze möglichst mittig in den Mund nehmen und möglichst viel vom Warzenvorhof mit im Mund haben. Wichtig ist auch, dass du das Kind zur Brust führst und nicht die Brust zum Kind. Nur so kannst du eine verkrampfte, unbequeme Haltung vermeiden. Probiere ruhig auch andere Stillpositionen aus, zum Beispiel im Liegen. Dadurch werden alle Bereiche der Brustwarze beansprucht und nicht nur immer einer ganz besonders.

Hilfreiche Tipps zum Thema Stillprobleme gibt auch Hebamme Sissi Rasche, zum Beispiel wie man eine kompetente Stillberaterin findet, die einem weiterhilft.

 

Stillproblem 5: Mein Baby weint vor dem Trinken

Ursachen, wenn das Baby weint statt trinkt: Bisher lief schon alles ganz gut und plötzlich will sich das Kleine nicht mehr so gern anlegen lassen oder weint vor dem Trinken? Das können die Gründe sein:

  • Saugverwirrung
  • du hast einen anderen, ungewohnten Duft an dir
  • bei größeren Babys kann eine Verstopfung die Ursache sein

Das kannst du tun: Wenn Babys in den ersten Wochen mit der Flasche gefüttert werden, merken sie wie einfach hier die Milch fließt. Dann kann es sein, dass sie die Brust, an der sie sich mehr anstrengen müssen, nicht mehr attraktiv finden. Manche sind allein schon durch das Geben eines Schnullers verwirrt. Tatsächlich erfordert es eine andere Mundmotorik an einem Sauger zu nuckeln als an der Brust. Das kann Babys ganz schön durcheinander bringen. In der ersten Zeit solltest du also darauf achten, keinen künstlichen Schnuller zu geben sondern nur zu stillen.

Wenn du das Duschgel, das Waschmittel oder dein Parfum wechselst, bleibt das von deinem Baby nicht unbemerkt. Es reagiert empfindlich auf alle Gerüche. Dusche vor dem Stillen möglichst ohne Duschgel, verzichte auf Körperlotions und auch stark parfümierte Waschmittel. Du wirst schnell merken ob das der Grund war.

Größere Babys wollen manchmal nicht gestillt werden weil sie vom Zufüttern unter Verstopfung leiden. Mit ein, zwei Löffel Birnenmus kannst du die Verdauung unterstützen. Wenn der Zustand weiter anhält kannst du zwischenzeitlich mit dem Zufüttern aufhören und den Kinderarzt oder die Hebamme um Rat fragen.

Stillproblem 6: Mein Baby weint beim Trinken

Ursachen, wenn das Baby beim Trinken weint: Auch hier gilt es sensibel auf das Verhalten des Babys zu achten um die Gründe für das Weinen herauszufinden. Diese können sein:

  • das Baby hat eine verstopfte Nase
  • Bauchweh
  • es hat eine Lieblingsbrust beim Stillen
  • du hast etwas gegessen, was der Muttermilch einen anderen Geschmack gibt

Das kannst du tun: Wenn dein Baby etwas Schnupfen hat und nicht durch die Nase atmen kann beim Stillen, wird es sich natürlich beschweren. Was die Nasenschleimhäute beruhigt ist Muttermilch. Träufel ein paar Tropfen davon vorsichtig in die Nase des Babys. Du wirst sehen: Es hilft tatsächlich!

Wenn du es schon beim Stillen in dem kleinen Bäuchlein grummeln hörst, hat das Baby ziemlich sicher Bauchschmerzen meist verursacht durch Blähungen. Besonders in den ersten drei Monaten kann es bei den Kleinen zu richtiggehenden Koliken kommen. Nimm dein Baby in den Fliegergriff – der sanfte Druck auf den Bauch hilft meist. Auch ein warmes Kirschkernkissen kann Linderung bringen. Oder du nimmst es auf den Arm, drückst es an dich (beherzt, aber nicht zu fest) und massierst ihm zart den Rücken.

Viele Babys haben eine Lieblingsseite beim Stillen. Vielleicht weil die Milch hier schneller abfließt oder du ganz unbewusst eine entspanntere Position einnimmst, die dem Baby das Trinken einfacher macht. Fang am besten immer mit der ungeliebteren Seite an, denn wenn das Baby hungrig ist wird es auch diese Seite eher akzeptieren.

Gewürze, scharfe Speisen aber auch Knoblauch, Zwiebeln und verschiedene Gemüsesorten können den Geschmack der Muttermilch beeinflussen. Gut möglich, dass dein Baby darauf empfindlich reagiert. Wenn du schnell etwas mit Vanille isst, neutralisiert sich der Geschmack der Muttermilch wieder.

Stillproblem 7: Mein Baby trinkt ganz unregelmäßig

Ursachen, warum das Baby noch unregelmäßig trinkt: Neugeborene haben noch keinen Rhythmus. Wie die Schlafphasen müssen sich auch die Trinkphasen erst einpendeln. Das ist nach etwa drei Monaten der Fall, bei manchen Babys dauert es auch etwas länger. Kurze Trinkabstände sind bei Neugeborenen also ganz normal. Der Magen des Babys ist noch ganz klein (etwa so groß wie eine Murmel) und die Muttermilch ist schnell verdaulich. Die Kleinen können also schnell wieder Hunger bekommen. Ein größerer Appetit kann aber auch auf einen Entwicklungsschub hindeuten.

Das kannst du tun: So lange dein Baby zunimmt und gut gedeiht musst du dir keine Sorgen machen. Stille nach Bedarf dann pendelt sich auch deine Milchmenge auf den Appetit und die Bedürfnisse deines Babys ein. Falls du ein genügsames Baby hast das nicht laut nach Nahrung schreit, achte auf “stillere” Anzeichen von Hunger. Das können ein Suchen nach der Brustwarze, Unruhe oder leichte Seufzer sein. Dann solltest du ihm die Brust anbieten. Normal sind bei Neugeborenen ungefähr 8 bis 12 Stillmahlzeiten in 24 Stunden.

Stillproblem 8: Mein Baby spuckt

Ursachen, wenn dein Baby spuckt: Du hast nach dem Stillen das Gefühl, dein Baby spuckt mehr aus als es gegessen hat. Keine Sorge: Solange dein Baby wächst und zunimmt ist das Spucken kein Problem. Bei manchen Babys schließt der Magenpförtner nicht richtig und gerade diese Kleinen trinken dann in der Regel etwas mehr als sie “brauchen”. Nimmt das Baby aber nicht zu und wächst auch nicht, solltest du den Kinderarzt aufsuchen, um die Ursachen abklären zu lassen.

Das kannst du tun: Lass dein Baby bevor du die Brust beim Stillen wechselst kurz aufstoßen. Vermeide nach dem Essen zu viel Bewegung. Schaukeln fördert logischerweise den Spuckreflex. Lagere den Kopf deines Babys etwas höher als seinen Körper, auch das kann den Drang zum Spucken etwas abmildern.

Stillproblem 9: Ich habe zu viel Milch

Ursachen, warum du zu viel Milch produzierst: Hyperlaktation, so nennt man das Überangebot an Milch. Manche Frauen haben phasenweise zu viel Milch im Angebot. Dies kann für dich und für dein Baby für Stillprobleme sorgen. Geschwollene und vielleicht schmerzende Brüste können die Folge sein. Das Baby hat dagegen vielleicht das Problem die Brustwarze richtig fassen zu können, weil die Brust so prall ist.

Das kannst du tun: Einen kleinen Teil der Milch kannst du vor dem Stillen abstreichen oder abpumpen. Es sollte aber nicht zu viel sein, denn sonst erhöht sich deine Milchproduktion noch weiter. Rede mit deinem Baby wenn du es anlegst und in der ersten Phase des Trinkens, damit es sich nicht erschreckt. Die Milch kommt nämlich manchmal mit hohem Druck oder Geschwindigkeit aus der Brust. Meiste pendelt sich die Überproduktion nach ein paar Tagen wieder ein und geht von selbst zurück. Du kannst aber auch mit deiner Hebamme besprechen, ob vielleicht Blockstillen oder ein einseitiges Stillen in der Zwischenzeit gut ist, um die Produktion etwas zurück zu schrauben.

Was im Körper beim Stillen passiert kannst du hier nachlesen.

Stillproblem 10: Mein Baby hat nach dem Stillen Blähungen

Ursachen, warum dein Baby Blähungen hat: Der Verdauungsapparat der Neugeborenen ist sensibel und muss sich erst einstellen. Gerade in den ersten Wochen bis zu den ersten drei Monaten reagieren manche Babys mit Unwohlsein, Blähungen oder den sogenannten Drei-Monats-Koliken. Bei den meisten Babys wächst sich das sprichwörtlich aus.

Das kannst du tun: Wenn dein Baby ganz normal trinkt und zunimmt, besteht gar kein Grund zur Sorge. Wichtig ist, dass du beim Stillen Ruhe hast und das Baby nicht zu hektisch an die Brust will, denn gerade dann schluckt es viel Luft was wiederum zu Blähungen führt. Manche Babys reagieren auch auf das was du isst mit Blähungen. Knoblauch, Zwiebeln, Kohlsorten stehen im Verdacht, die Koliken beim Kleinen noch zu verstärken, ebenso Lauch, Hülsenfrüchte, Gurke und Pilze. Wenn du den Tag über immer wieder Kümmeltee trinkst oder einen Teelöffel Kümmelkörner zu dir nimmst, gibst du dessen Wirkstoffe über die Muttermilch an dein Baby weiter und es kann die Blähungen beim Kleinen lindern. Bei Bauchweh wollen Babys viel herumgetragen und getröstet werden. Der Fliegergriff kann helfen und ganz zarte Massagen mit zwei Fingern auf dem kleinen Bäuchlein.

 

Bilder: Gettyimages

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