Stillhormone: Was passiert genau im Körper beim Stillen?

BABY, Food

Silvia Silko

Was passiert beim Stillen im Körper? Welche Hormone bewirken, dass alles reibungslos läuft? Wir haben beim Experten nachgefragt.

Professor Abou-Dakn, welche Hormone spielen beim Stillen eigentlich eine Rolle?

Entscheidend sind die zwei Hormone Oxytocin und Prolaktin. Das Oxytocin bildet sich bereits während der Schwangerschaft im Körper der Frau und sorgt dafür, dass die Wehen ausgelöst werden. Nach der Geburt bildet sich dank dieses Hormons die Gebärmutter wieder zurück, weshalb stillende Frauen sich schneller von einer Geburt erholen als Frauen, die nicht stillen. Speziell für das Stillen ist Oxytocin ebenfalls wichtig, da es die Brustdrüsen anregt und so für die Milchbeförderung sorgt. Das Saugen des Babys wiederum fördert die Oxytocinausschüttung. Oxytocin macht glücklich und entspannt sowohl die Mutter als auch das Kind.
Das Prolaktin ist für die Produktion der Milch verantwortlich, bewirkt aber auch, dass sich die Mutter gerne um das Kind kümmert. Die Ausschüttung von Prolaktin wird je nach Bedarf reguliert: Saugt das Baby häufiger an der Brust, werden entsprechend mehr Hormone ausgeschüttet und umgekehrt. Somit sind beide Hormone wichtig für die Bindung von Mutter und Kind. Dies spielt direkt nach der Geburt eine entscheidende Rolle. Durch die Hormone findet das Neugeborene beispielsweise selber zur Brust und fängt auch direkt an zu saugen. Hormone, Körperkontakt und die gemeinsam überstandene Geburt stärken die natürliche Bindung zwischen Mutter und Kind.

Bleibt die Hormonausschüttung während der gesamten Stillzeit konstant?

Genau wie die Menge der Milch wird auch die Hormonausschüttung je nach Bedarf reguliert.

Ab wann wird die Milch in den Brustdrüsen produziert?

Das passiert bereits in der Schwangerschaft. Etwa am dritten Tag nach der Geburt kommt es zum sogenannten Milcheinschuss, mit dem die Milchproduktion vermehrt einsetzt. Allerdings gibt es bereits direkt nach der Geburt die Neugeborenenmilch, auch Kolostrum genannt. Diese ist wichtig für den Säugling, da sie essenzielle Nährstoffe und Antikörper, aber auch Endorphine enthält. So kann das Baby die schmerzhafte Geburt überwinden, ist vor Infektionen geschützt und bis zum Milcheinschuss gut versorgt.

Beeinflusst die Ernährung der Neumama die Milch oder die Stillhormone?

Der Zusammenhang zwischen der mütterlichen Ernährung und dem Stillen ist immer ein großes Thema. Es ist jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass der Säugling Blähungen bekommt, wenn die Mutter zum Beispiel Zwiebeln isst. Grundsätzlich wird empfohlen, sich am Anfang der Stillzeit ähnlich zu ernähren wie während der Schwangerschaft. Es wurde nämlich beobachtet, dass Säuglinge irritiert sind, wenn sich der Speiseplan der Mutter plötzlich komplett verändert. Außerdem ist davon auszugehen, dass Babys, die gestillt werden, deutlich weniger unter Koliken leiden. Rauchen ist natürlich ein absolutes No-Go, nicht nur wegen der Schadstoffe, sondern auch, weil es die Milchproduktion hemmt.

Kann Stillen aufgrund der Hormone auch depressiv machen?

Nein, eher das Gegenteil. Es ist nachgewiesen, dass stillende Frauen den Babyblues schneller überwinden. Auch Wochenbettdepressionen sind bei ihnen seltener. Ob eine bereits bestehende Depression durch die „Verantwortung“, sich um das Kind zu kümmern, noch verstärkt wird, ist hingegen nicht so einfach zu klären und müsste individuell beobachtet und entschieden werden.

Wie lange sollten Mütter im Idealfall stillen?

Die WHO empfiehlt, zum Wohle des Kindes und der Mutter mindestens sechs Monate voll zu stillen. Dem würde ich mich anschließen. Wie lange dann weitergestillt wird, hängt von der Mutter und dem Kind ab. Es kann aber bis zum zweiten Lebensjahr gestillt werden. Ab dem fünften Monat kann auch Beikost dazugegeben werden, wenn das Kind Interesse daran hat. Ab dem siebten Monat sollte allen Kindern Beikost angeboten werden.

aboudaknProf. Dr. Michael Abou-Dakn forscht und arbeitet seit Jahrzehnten im Bereich der Frauenheilkunde sowie als Laktationsberater und setzt sich für das babyfreundliche Krankenhaus ein. Zu seinen Lieblingsthemen gehört die Bindung zwischen Mutter und Kind und wie man diese bereits bei der Geburt stärken kann, etwa durchs Stillen. Welche Rolle dem Vater zufällt, erforscht er auch.

Hier erfahrt ihr, welche 6 Dinge ihr unbedingt zum Stillen braucht.

Titelbild: istock.com/ Evgeny Atamanenko

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