Single Mum auf Wunsch: Orit Arfa über ihre Entscheidung

MUM, Menschen

Stefanie Staiger

Viele Frauen in den Dreißgern kennen das: Sie wünschen sich ein Baby, doch es fehlt der passende Partner – und die biologische Uhr tickt unerbittlich! Die israelische Journalistin Orit Arfa hat sich entschieden, Single Mum zu werden. Wie sie zu dieser Entscheidung kam und welchen Weg sie gewählt hat, um mit Anfang 40 nun ihr Wunschbaby zu bekommen, erzählt sie uns hier.

Bekommt ihr erstes Baby als glückliche Single Mum: Orit Arfa (Foto: Privat)

„Als ich 31 war, habe ich diesen Moment vielleicht schon unbewusst vorhergesagt. Nun ist es soweit: Ich bin eine zukünftige Single Mum auf Wunsch. Eine alleinerziehende Mutter, schwanger durch eine Samenspende. Damals schrieb ich eine regelmäßige Single-Kolumne für das Jewish Journal in Los Angeles und war so eine Art jüdische „Carrie Bradshaw“. Ich verfasste unter anderem einen Artikel mit dem Titel: „Ich bin nicht hilfsbedürftig“, um Menschen eines Besseren zu belehren, die glaubten, als Single könne man nicht glücklich sein. Aber ich war es. Damals schrieb ich: „Frauen leben heutzutage länger. Die moderne Technologie hat unsere Fruchtbarkeit verbessert. Wir können bis in unsere Mittdreißiger warten, bevor unsere biologische Uhr anfängt zu ticken. Bis dahin Danke ich Gott für die Pause-Taste!“

Ein Leser, ein Fruchtbarkeitsexperte, schrieb mir und sagte, ich solle mich nicht auf die Technologie verlassen. Es gäbe keine Garantie. Dennoch drückte ich weiterhin auf die Pause-Taste und ließ meinen Kinderwunsch schlummern – bis zehn Jahre später.

Was, wenn „der Eine“ einfach nicht kommt?

Ich wollte in den letzten zehn Jahren nie wirklich über mein Alter reden. Zum einen, weil mir viele Menschen sagten, wie jung ich aussehen würde. Aber auch, um möglichst attraktiv für Männer zu sein. Und junge Frauen sind bei weitem attraktiver als ältere! Ich hatte einige ernsthafte Beziehungen in den letzten zehn Jahren. Aber ich hatte nie das Gefühl, „den Einen“ kennengelernt zu haben. Und tief in meinem Herzen mochte ich auch mein Single-Dasein. Ich konnte aus einer Laune heraus spontan verreisen. Konnte ausgehen, feiern und die endlosen Möglichkeiten genießen. Ich konnte die Wohnorte wechseln, was ich tat, als ich 2008 von Israel nach L.A. zog, und dann 2013 zurück nach Tel Aviv. 2016  zog ich nach Berlin, wo ich eine israelisch-deutsche Liebesgeschichte schrieb („Underskin“) und meine journalistische Arbeit fortsetzte.

In Berlin wurde ich glücklicher, als ich es in Tel Aviv war. Das Leben war einfacher. Ich war nicht ständig mit der gesellschaftlichen Verurteilung konfrontiert, die ich als alleinstehende Frau Ende 30 in Israel spürte. Ich ging aus, recherchierte für meinen Roman, schrieb faszinierende Geschichten, reiste viel und dankte Gott, dass ich meine Eizellen hatte einfrieren lassen, bevor ich nach Berlin zog. Das hat den biologischen Druck der Fortpflanzung für mich reduziert und mir Aufschub gewährt.

Die Entscheidung: Single Mum auf Wunsch

„Ich habe lange nach dem richtigen Partner gesucht“, sagt Orit Arfa (Foto: Privat)

Bis ich 41 wurde. In der Folge datete ich nicht länger Männer, sondern ihr Sperma – weil ich mich an die Warnung des Fruchtbarkeitsexperten erinnerte und mich nicht allein auf meine eingefrorenen Eizellen verlassen wollte. Dates wurden Mittel zum Zweck. Ich traf einen wundervollen Mann, der aber noch nicht bereit war, zu heiraten oder ein Baby zu bekommen. Ich setzte ihn – entgegen meines Charakters – unter Druck, drängte ihn dazu, mit mir eine Familie zu gründen. Obwohl wir eigentlich gar nicht wirklich zusammenpassten.

Schließlich musste ich mir eingestehen, dass ich dringender ein Kind wollte als einen Mann. Und die Zeit wurde knapp. Also wandte ich mich der modernen Medizin zu, um meinen Traum von der Mutterschaft doch noch zu verwirklichen. Letztes Jahr hatte ich eine IVF (In-Vitro-Fertilisation) in Israel, die Gott sei Dank gleich beim ersten Mal erfolgreich war! Die Eizellen waren meine eigenen, ich hatte sie einfrieren lassen. Das Sperma stammt von dem Samenspender einer Samenbank.

Obwohl es viele Frauen gibt, die diesen Weg als „Makel“ oder Notlösung sehen, macht er für mich Sinn. Eine Single Mum zu werden entspricht meiner Persönlichkeit als Freigeist. Ich bin nicht der Typ, der sich und seine Werte für einen anderen verbiegt. Und ich möchte keine Scheidung riskieren oder mein Kind in einen Sorgerechtsstreit verwickeln und in einen Loyalitätskonflikt bringen. Die Entscheidung, diesen Weg zu wählen und Single Mum zu werden, erscheint mir richtig. Für mich.

Meine Tochter ist ein Geschenk

Orits Baby kommt im Sommer 2019 auf die Welt. Es wird ein Mädchen (Foto: Privat)

Meine ungeborene Tochter hat mir schon jetzt viel geschenkt. Ehrlichkeit, zum Beispiel. Lange Zeit habe ich nicht mehr offen über mein persönliches Leben geschrieben. Zum einen, um meine Privatsphäre zu wahren. Aber auch, um Männer damit nicht zu erschrecken. Nun habe ich keine Angst mehr. Und ich bin auch nicht mehr verzweifelt auf der Suche nach einem Mann, weil ich sein Sperma brauche oder einen zweiten Elternteil suche.

Ich möchte einen Mann treffen, der mich sieht – so wie ich ihn. Der die gleichen Werte teilt, die ich habe. Weil wir uns guttun, als unabhängige Persönlichkeiten, frei von biologischen Zwängen.

Das bedeutet nicht, dass ich jeder Frau diesen Weg als Single Mum empfehle. Es ist eine sehr persönliche Entscheidung. Und ich glaube, dass eine komplette, liebevolle Familie immer noch für viele die ideale Form der Elternschaft ist. Aber nicht jeder hat das Glück, den Partner zu finden, mit dem sich das realisieren lässt.

Ich möchte meine Tochter mit meiner Liebe und meiner Fürsorge, die ich ihr geben werde, inspirieren. Und ich hoffe, sie verzeiht mir meine Fehltritte und wird eines Tages erkennen, dass sie eine kluge, mutige Mutter hatte. Eine Pionierin, die ihren Weg ging. Und ich wünsche ihr, dass sie ein großartiges Leben haben wird, das sie leben kann wie ihre Mum: authentisch.“

Orit Arfa ist eine israelische Journalistin. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Im Sommer 2019 erwartet sie ihr erstes Baby. (Fotos: Orit Arfa/Privat)

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