Breifrei

Baby Led Weaning: So einfach funktioniert die breifreie Beikost!

BABY, Food

Uli Morant

Viele Mütter gehen in der Beikost lieber einen anderen Weg und füttern breifrei. Die Methode ist auch unter dem Begriff Baby Led Weaning bekannt. Wir haben Anja Constance Gaca dazu befragt. Sie ist Hebamme, Still- und Laktationsberaterin und gibt Beikostkurse für Eltern. Außerdem schreibt sie den Blog „Von guten Eltern“.

Was sind die häufigsten Sorgen und Ängste, die Eltern im Zusammenhang mit breifreier Beikost an Sie herantragen? Und wie beruhigen Sie sie?

Anja Constance Gaca: Die größten Unsicherheiten bestehen bezüglich des richtigen Zeitpunktes. Hier ist es sinnvoller, sich an der individuellen Entwicklung des Kindes und den Beikostreifezeichen zu orientieren als am Kalender oder an Beikostplänen. Genau wie beim Krabbeln oder Laufen gibt es auch beim Essenlernen ein von Kind zu Kind unterschiedliches Entwicklungstempo, auch wenn ein Großteil mit circa einem halben Jahr so weit ist. Gerade bei der breifreien Beikost besteht eher nicht die Gefahr, viel zu früh zu beginnen, weil das Kind ohne bestimmte motorische Voraussetzungen einfach nicht selbstständig essen kann. Brei hingegen kann auch von noch nicht beikostbereiten Kindern eingesogen statt gegessen werden, was aber so nicht gedacht ist.
Eine weitere Sorge ist, dass das Kind sich verschlucken könnte. Der Würgereflex wird in diesem Alter noch sehr weit vorne im Mund ausgelöst, weshalb Kinder Nahrung, mit der sie noch nicht umgehen können, einfach wieder herausbringen. Eventuelles Würgen dabei irritiert viele Eltern, hat aber nichts mit Verschlucken zu tun. Generell besteht aber die Gefahr, dass sich ein Kind verschlucken kann, sobald neue Dinge in den Mund kommen. Das kann mit Fingerfood, aber auch mit Brei oder dem kleinteiligen Spielzeug der Geschwister geschehen. Deshalb empfehle ich generell allen Eltern den Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses. Wichtig ist auch, das Kind beim Essen nicht allein zu lassen und natürlich geeignete Lebensmittel auszuwählen. Kleine, runde und harte Dinge wie zum Beispiel Nüsse sind ungeeignet. Bei Baby Led Weaning (BLW) ist es wichtig, dass dem Kind nichts in den Mund gesteckt wird, sondern es sich das Essen selbst nimmt.

Das hört sich alles sehr einfach und natürlich an. Kann man bei dieser Beikost überhaupt viel falsch machen?

Feste Beikostpläne und Tabellen geben uns als Eltern schnell das Gefühl, etwas falsch zu machen, wenn sich unser Kind nicht an diese Pläne hält. Doch die hauptsächliche Aufgabe der Eltern bei der Beikosteinführung ist, dass sie ihren Kindern ein gesundes Angebot machen und für eine angenehme Essatmosphäre sorgen. Was und wie viel davon gegessen wird, entscheidet das Kind. Wichtig ist es darum auch, die bisherige Ernährung mit Muttermilch oder Pre-Nahrung nicht einzuschränken. Beikost kommt zunächst erst einmal nur hinzu und ersetzt noch keine Mahlzeiten. Die American Academy of Pediatrics bemerkte dazu sehr passend, dass die beste Methode zur Beikosteinführung nicht bekannt sei. Somit kann man bei diesem Thema tatsächlich nicht wirklich viel falsch machen, wenn der Familientisch gesunde und abwechslungsreiche Nahrung bietet und Eltern die Signale ihres Babys beachten.

Welche sind die drei wichtigsten Tipps, die Sie Eltern bei der Umstellung geben?

1. Geduld mitbringen und genau wie bei anderen Entwicklungsschritten das eigene Kind nicht mit anderen Kindern vergleichen.

2. Mit dem Kind zusammen essen, was sich bei BLW meist automatisch ergibt. Aber auch breigefütterte Kinder möchten mit ihrer Familie zusammen am Tisch sitzen und beobachten und nachahmen, was ihre Eltern tun.

3. Kein Stress am Esstisch und für eine „Essanfänger“-freundliche Umgebung sorgen! Es ist ganz normal, dass Kinder mal mehr und mal weniger essen, genau wie wir auch. Essen ist für Kinder eine ganz neue Erfahrung, die sie mit allen Sinnen erleben und begreifen wollen. Auch breigefütterte Kinder wollen meist gerne mitmachen und mit einem eigenen Löffel agieren oder die Händchen in den Brei tauchen. Dieses Erleben ist wichtig und gehört mit dazu. Der Essplatz sollte also unkompliziert zu reinigen sein, genauso wie die Kleidung, die das Kind dabei trägt.

Aus Ihrer Erfahrung: Welche Rezepte gehen bei Babys immer?

Die Kinder sind da genauso individuell wie wir Erwachsenen auch. Da auch über die Muttermilch schon erste geschmackliche Prägungen stattfinden, werden oft Lebensmittel bevorzugt, die vielleicht schon aus der Stillzeit bekannt sind. Generell haben Babys zunächst eine Vorliebe für Süßes, weshalb Obst oft bevorzugt gegessen wird. Aber generell dürfen sich alle Eltern darauf freuen, mit ihrem Kind gemeinsam zu entdecken, was ihm besonders gut schmeckt.

 Foto: Istock

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