Tradwifes – Hausfrau sein als neuer Instagram Trend?

FAMILIE, MUM, Medien, Menschen

Alexandra Brechlin

Auf Socialmedia sind sie derzeit in aller Munde: Die #Tradwives, traditionelle Hausfrauen, die für ihren Mann auf die eigene Karriere verzichten. Woher kommt dieser Trend? Und was ist daran gefährlich?

In Großbritannien geht gerade ein Trend um: #Tradwife. Dahinter verbirgt sich ein Wortspiel aus  traditionell (traditional) und Ehefrau (wife). Unter diesem Hashtag findet man  Bilder von jungen Frauen an ihren Bügelbrettern, die neuesten Rezepte für Eintopf und Tipps, wie man für Ehemann und Kinder ein besonders gemütliches Zuhause schafft.

Das Revival der Hausfrau

Diese sogenannten Tradwifes wollen ganz bewusst „nur“ Hausfrauen sein. Und zwar ausschließlich. Anti-feministisch finden sie diese Haltung dabei ganz und gar nicht, viel eher pochen sie auf ihr Recht auf Selbstbestimmung.
Eine Art Gallionsfigur dieser Bewegung ist die 34-jährige Alena Kate Pettitt. Sie betreibt einen Blog mit dem Namen The Darling Acadamy und schreibt hier unter anderem: „Wenn mein Mann mich dafür bezahlt, dass ich zu Hause bleibe und die Dinge tue, die ich brauche, um das Überleben meines Kindes zu sichern, und alles, was ich tun muss, ist, dafür zu sorgen, dass seine Unterhosen sauber sind – dann ist das ein Job, mit dem ich glücklich bin.“

Gegenbewegung zum Feminismus?

Von vielen Feministinnen werden die Tradwifes aufgrund solcher Aussagen häufig scharf kritisiert. Für sie ist dieser Trend nichts weiter als ein völliges Zurückdrehen der hart erkämpften Frauenrechte. Dabei macht es eigentlich nur deutlich, in was für einem Konflikt viele Frauen immer noch zu stecken scheinen, nämlich der Wahl zwischen Fulltime-Managerin und Fulltime-Hausfrau und Mama. Letzteres wird dabei immer öfter als wertlos erklärt, denn trotz der vielen Arbeit gibt es dafür kein Gehalt und noch dazu macht man sich abhängig von der Gunst des Ehemannes.

 

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Weiblichkeit neu definiert

Tradwifes wie Alene Kate Pettitt wollen, dass sich genau das wieder ändert. Sie glauben, dass sie mit ihren Posts auf Instagram und Co. Botschaften vermitteln, die dafür sorgen, dass Hausfrauen wieder mehr Wertschätzung erfahren. In einem ihrer Artikel auf  „The Darling Academy“ schreibt Pettitt dazu: „Ich mache von meinem Recht zu Hause zu bleiben und für meine Familie zu sorgen, so viel Gebrauch, wie die nächste Frau ihr Recht auf Vollzeitarbeit. Beides ist nicht falsch. Es ist einfach anders. Wir alle unterwerfen uns der einen oder anderen Sache. Egal ob es sich dabei um eine andere Person oder ein Unternehmen handelt. Ich unterwerfe mich meinem Ehemann, so wie er sich mir unterwirft. Es funktioniert in beide Richtungen. Das größte Missverständnis ist die Haltung gegenüber den Ehemännern. Er zwingt mich nicht, zu Hause zu bleiben. Er verlangt es nicht, er erwartet es nicht.“

Die dunkle Seite der #Tradwifes

Allerdings, so harmlos diese Flirterei mit der 50er-Jahre-Heile-Hausfrauen-Welt wirkt, ist es nicht. Auch wenn die meisten Tradhousewifes sich wie auch Alena Pettitt streng davon distanzieren, wurde der Trend unter anderem in den USA von politisch rechten Randgruppen aufgegriffen. In einem Artikel für die New York Times schreibt die Amerikanistin Annie Kelly, dass die Huldigung der traditionellen Frauenrollen ein Versuch ist, die „rechte Welt“ auch für Frauen attraktiv zu machen.

Ängste wie finanzielle Unsicherheit, Jobverlust oder der Verlust von vermeintlichen Privilegien führen verstärkt zu einem romantisierten Blick in die Vergangenheit. Gerade die 1950er Jahre, wo der Mann mit einem sicheren Einkommen für eine ganze Familie sorgte, kann da schnell attraktiv wirken.

All das könnte sich wie ein Versuch der White Supremacists lesen lassen, die die von Männern dominierte Bewegung auch für Frauen attraktiv machen soll. Ehe und Mutterschaft werden hier als sicherer Hafen für finanzielle Sicherheit und gegen sexualisierte Gewalt instrumentalisiert.

Wie definiert sich die traditionelle Rolle der Frau?

Fragwürdig ist zudem auch die Definition der traditionellen Rolle der Frau. Denn was genau ist das denn, „die Rolle der Frau?“ Ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die Funktion der Frauen ausschließlich im Privaten und für Mann und Familie zu agieren, noch gar nicht so lange existiert. Dem Mann gesellschaftlich zwar immer untergeordnet, übten Frauen bis ins 19. Jahrhundert sehr wohl eigene Berufe aus, statt sich 24 Stunden lang der Kinderziehung zu widmen. Wer genügend Geld hatte, gab den Nachwuchs ohnehin so früh wie möglich an Amme und Kindermädchen weiter.

Zurück an den Herd

Erst die aufkommende Industriegesellschaft war auf eine strengere geschlechtliche Rollenverteilung – Frau am Herd, Mann auf Arbeit – angewiesen. Ohne diese funktionierende Familiendynamik mit der fürsorglichen Gattin als Unterstützung wäre es schwierig geworden den Anforderungen an die neue immer schneller industrialisierende Welt gerecht zu werden.

In der Individualierungsthese des Soziologen Ulrich Beck heißt es dazu: „Der Mann musste sich mit neuen Anforderungen auseinandersetzen, die auf Selbstbehauptung in einer durch Marktgesetze bestimmten Gesellschaft ausgerichtet sind. Die Frau (der bürgerlichen Schichten) wurde gleichzeitig „entindividualisiert“, stärker auf den Bereich des privaten Heims und auf ein Dasein für die Familie verwiesen.“ Oder kurz gesagt: Das von den Tradwifes immer wieder als biologisch natürlich angeführtes Frauenbild hat so nie existiert. Dieses Bild einer „traditionellen Hausfrau“ wurde von der Gesellschaft für die Gesellschaft geschaffen.

 

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Eine persönliche Entscheidung

Damit ist nicht gesagt, dass jede Hausfrau per se unterdrückt ist oder gar von ihrem Ehemann klein gehalten wird. Doch den Begriff der Hausfrau als Ausdruck von persönlicher Freiheit zu bezeichnen und vielleicht auch noch mit feministischen Ideen zu verknüpfen ist schwierig. Wenn Tradwifes  in diesem Zusammenhang  von Tradition sprechen und vielleicht noch auf das Leben der eigenen Oma verweisen, sollte dabei nie vergessen werden, dass genau diese Oma nie eine Wahl hatte, etwas anderes als Hausfrau zu werden.

Bild: istock

 

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