Selbständig nach Geburt

Selbständig machen: Tipps von der Expertin

Job, MUM

Immer mehr Mütter entscheiden sich nach der Geburt für die Selbstständigkeit. Worauf muss man bei einer Gründung achten? Und wie schafft man es, die Familie und das eigene Business unter einen Hut zu bringen?

Wenn ein Kind ins Leben kommt, steht alles Kopf und nichts ist mehr wie zuvor. Für die meisten Eltern stellt die Geburt eine so große Veränderung dar, dass auf einmal „alles anders“ ist. Kein Wunder, dass sich die meisten während der Elternzeit erst einmal neu sortieren und vieles überdenken. Häufig überlegen Eltern, wie sie die berufliche Zukunft mit Kind gestalten wollen. Und gar nicht so selten entsteht aus diesem Impuls plötzlich eine Gründungsidee, die man schon eine ganze Weile mit sich trägt.

Aber wie fängt man am besten an? Und wie vereinbar ist die Selbstständigkeit mit der Familie? Dr. Kerstin Gernig ist Business Coach für berufliche Neuanfänge und gibt einige Tipps für Frauen, die sich selbstständig machen wollen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich selbstständig zu machen?

Kerstin Gernig: Ich brauchte mit Ende 40 eine Veränderung. Alle sieben Jahre sind unsere Zellen einmal komplett rundum erneuert und damit gehen seelische und geistige Wachstumsprozesse einher. Da ich keine Lust hatte, mich noch einmal in lange Bewerberschlangen einzureihen, habe ich mich entschieden, den Weg in die Selbständigkeit zu wagen.

Wie verlief deine Gründungsphase und wer hat dich dabei unterstützt? Wie hast du die deutsche Gründungsbürokratie empfunden?

Die Gründungsphase war von „trial and error“ gekennzeichnet. Ich habe vieles ausprobiert und dabei auch einige Fehler gemacht. So habe ich mich beispielsweise zu schnell erfunden, anstatt mich erst einmal zu fragen, was ich wirklich will. Mit meinem Gründungscoach habe ich leider schlechte Erfahrungen gemacht, deshalb habe ich auf meiner Website eine Expertencheckliste mit Kriterien zum kostenfreien Download, nach denen man einen Coach beurteilen kann.

Die bürokratischen Hürden waren nicht so hoch: einen Businessplan schreiben für den Gründerzuschuss und ein Gewerbe anmelden. Viel mehr Aufwand war das nicht.

Mit welchen Problemen oder Rückschlägen muss man in der Gründungsphase rechnen? Und wie schafft man es, sich dagegen zu „wappnen“?

Ich rate allen Gründern, sich keine Ratschläge von Angestellten zu holen, sondern ausschließlich von Menschen, die bereits da sind, wo man selbst hinwill. Denn nur wer aus eigener Erfahrung spricht, kann Gründer weiterbringen. Die größte Herausforderung ist am Anfang eine Geschäftsidee zu entwickeln, die den Proof of Concept am Markt besteht. Dafür braucht man Feedback: von potenziellen Kunden, von erfahrenen Gründern oder auch von Coaches.

Was kannst du jungen Müttern raten, die sich selbständig machen wollen? Welche Fragen sollte man sich vor einer Gründung generell stellen?

Unterstützt mich mein Partner? Das ist eine der wichtigsten Fragen. Junge Mütter haben die Doppelbelastung von Beruf und Kindern. Wenn die Väter sich zu 50 Prozent um die Kinder kümmern, können auch junge Mütter ein Gründungsvorhaben in Angriff nehmen. Ich rate dazu, sich gut zu vernetzen, beispielsweise mit den Mompreneurs, um seine Erfahrungen teilen zu können.

Welche Vor- und Nachteile gibt es, wenn man sich selbstständig macht?

Die Vorteile sind, dass man:

  • seine eigene Chefin ist
  • seine eigenen Ideen verwirklichen kann
  • eine persönliche Marke aufbauen kann, was extrem viel Spaß macht
  • sich mit einer erfolgreichen Selbstständigkeit von Umstrukturierungsmaßnahmen am Arbeitsmarkt frei macht
  • selbstständig und selbstverantwortlich agiert
  • einen spannenden, nicht endenden Weg vor sich hat.

Die Nachteile sind, dass man

  • kein Geld verdient, wenn man krank ist, es sei denn, man hat von Anfang an ein skalierendes Business aufgebaut, das unabhängig von der eigenen Person funktioniert
  • in der Gefahr der Selbstausbeutung des „selbst und ständig“ steht, wenn man alles selbst macht, anstatt klug zu delegieren
  • an sich glauben und bei Hürden und Hindernissen ein Durchhaltevermögen entwickeln muss.

Wie flexibel ist man wirklich, wenn man sich selbstständig macht, vor allem mit Bezug auf Kinder und Familie?

Wann man arbeitet, kann man sich einteilen. Dass man viel arbeiten muss, um erfolgreich selbstständig zu werden, gerade in den ersten Jahren, steht außer Frage.

Welche Tools, Apps und andere Methoden zur Organisation würdest du jeder „Working Mom“ empfehlen?

Wichtig ist, so viel wie möglich zu automatisieren. Deshalb würde ich eine Website mit WordPress empfehlen, da dort all die relevanten Api-Schnittstellen zu Newsletter-Anbietern, Online-Kalendern, Freebies etc. existieren.
Außerdem würde ich empfehlen, in eine kluge Beratung zu investieren, um von Anfang an eine konvertierende Website zu haben, bei der automatisch aus Besuchern Kunden werden. Wer die psychologischen Mechanismen des Verkaufens und die digitalstrategischen Mechanismen, die das abbilden, nicht beherrscht, wird nicht sichtbar und verkauft auch nicht, egal wie gut das Angebot ist.
Ich habe mit „trial and error“ vier Websites in vier Jahren gemacht, da gute Online-Automatisierungsexperten vor acht Jahren noch rar waren. Nach einer steilen Lernkurve gehöre ich heute selbst zu den digitalen Beraterinnen.

Selbständig MompreneurDr. Kerstin Gernig arbeitet als Business Coach für berufliche Neuanfänge in der Lebensmitte, als Speakerin und Bloggerin. Sie ist Trendexpertin bei N24, Certified Speaker der German Speakers Association und wurde 2014 als Vorbildunternehmerin Deutschlands vom Bundeswirtschaftsministerium ausgezeichnet. Ihr Buch „Werde, was du kannst! Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird“ wurde von Murmann Publishers für den deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert.

Mehr unter: www.kerstingernig.de

Download der Expertencheckliste:
kerstingernig.de/check_coach/

 

Bilder: Gettyimages, privat

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