„Wunschkinder“: Bewegendes TV-Drama

SCHWANGERSCHAFT

Stefanie Staiger

Es kommt leider nicht so häufig vor, dass man echte Highlights im Fernsehen erlebt. Doch das ARD-Drama „Wunschkinder“, das am Mittwochabend (25. Januar 2017) lief, war eine Ausnahme: Ein berührender Spielfilm über ein Paar mit unerfülltem Kinderwunsch.

Marie (Victoria Mayer) hofft bei Dr.Tastan (Ercan Durmaz) auf gute Neuigkeiten (Foto: © WDR/Alexander Fischerkoesen)

Marie und Peter sind ein typisches Paar. Sie Ende 30, er Anfang 40, erfolgreich im Beruf, mit beiden Beinen im Leben, gesettled – und kinderlos. Ein eigenes Baby ist ihr größter Wunsch. Dafür tun die beiden einiges. Schon mehrere erfolglose Versuche mit einer künstlichen Befruchtung liegen hinter ihnen. Hier fängt der Film an: Mit einem Besuch beim Gynäkologen, der Marie auf dem Ultraschallbild die leere Fruchthöhle zeigt. Wieder hat es nicht geklappt.

Durch welche emotionale Achterbahnfahrt Paare gehen, deren Kinderwunsch sich nicht auf natürlichem Weg erfüllt, können Menschen, die „einfach so“ Kinder bekommen, oft kaum nachvollziehen. Es ist eine qualvolle Erfahrung. Der Leidensdruck ist enorm, die Selbstzweifel groß. Die Paare investieren viel Zeit und Geld in aufwändige Behandlungen in Kinderwunschzentren, denn die Krankenkassen übernehmen meist nur 50 Prozent der Kosten, und das auch nur bei verheirateten Paaren in einem gewissen Altersspektrum. Irgendwann heißt es dann: Sie sind ein hoffnungsloser Fall. Zu alt. Keine Chance mehr auf ein leibliches Kind.

Marie spritzt sich Hormone zur Eizellreifung (Foto: © WDR/Alexander Fischerkoesen)

Durch genau dieses Tal gehen Marie (Victoria Mayer) und ihr Mann Peter (Godehard Giese) im Film von Regisseurin Emily Atef. „Ich bin fett. Und ich bin unfruchtbar. Und diese Hormone machen mich knallhysterisch“, sagt Marie über die Strapazen der künstlichen Befruchtung. Als auch der letzte Versuch tragisch endet, beschließen die beiden, es mit einer Adoption zu versuchen.

Martin (Arnd Klawitter) und Sandra Heim (Silke Bodenbender) zeigen Marie (Victoria Mayer) und Peter (Godehard Giese) ein Bild ihres möglichen Adoptivsohnes (Foto: © WDR/Alexander Fischerkoesen)

Was nun folgt, ist ein Marsch durch die Institutionen und Behörden. Die Autorin Marion Gaedicke, deren Roman „Wunschkind“ die Vorlage für das Drehbuch von Dorothee Schön lieferte, beschreibt anschaulich, welchen Aufwand Paare in Deutschland auf sich nehmen müssen, wenn sie ein Kind adoptieren wollen. Marie und Peter entschließen sich, ihr Babyglück im Ausland zu versuchen – mit der Adoption eines Mädchens aus einem russischen Waisenhaus. Doch auch das bringt eine Menge ungeahnter Probleme mit sich.

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Vorlage für den TV-Film: Das Buch „Wunschkind“ von Marion Gaedicke (Hoffmann und Campe)

Was „Wunschkinder“ so besonders macht zwischen all den üblichen TV-Komödien und Rosamunde-Pilcher-Schmonzetten ist die Eindringlichkeit, die Authentizität und die schonungslose Darstellung der Situation, in der sich das Paar befindet. Der unerfüllte Kinderwunsch gerät zum emotionalen Härtetest für die Beziehung. Nicht nur für Peter und Marie, auch für ihre Leidensgenossen Sandra (Silke Bodenbender) und Martin (Arnd Klawitter), die schließlich resignieren. Der Film schafft es, sehr berührend zu erzählen, wie mühsam und anstrengend der Weg zum Wunschkind sein kann und wie wenig bewusst es Menschen mit Kindern ist, was andere für eine eigene Familie bereit sind, auf sich zu nehmen. Hinzu kommen überzeugende Darsteller, ein gelungenes Drehbuch und sogar die passende Musik. Man wünscht sich mehr solche Filme im deutschen Fernsehen.

 Wer „Wunschkinder“ verpasst hat, kann sich den Film in der Mediathek der ARD anschauen.

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