Basisernährung

Basische Ernährung in der Schwangerschaft: Interview mit Heilpraktikerin Michaela May

Food, SCHWANGERSCHAFT

Stephanie Baumgärtner

Spätestens seit dem Bestseller "Darm mit Charme" von Autorin Giulia Enders steht das Thema Darmgesundheit wieder hoch im Kurs. In exklusiven Vorträgen im Premium-Club Aspria Berlin Ku´damm stellt die renommierte Heilpraktikerin Michaela May den Zusammenhang eines gesunden Darms mit dem Immunsystem her. Wir unterhielten uns mit der Expertin für bewussten Lebenstil über das Thema "Basische Ernährung" und klären inwieweit die Ernährungsform während der Schwangerschaft empfehlenswert ist.

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Heilpraktikerin Michaela May

Liebe Frau May, was versteht man unter einer „Basischen Ernährung“?

Die basische Ernährung ist eine Ernährungsform, bei der Lebensmittel nach bestimmten Auswirkungen im Rahmen Stoffwechsel des Körpers kategorisiert werden. Die basische Ernährung ist vor allem in der Alternativmedizin bekannt und wird dort bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhundert propagiert. Dabei wird davon ausgegangen, dass die moderne Ernährung die Säure-Basen-Balance im Körper aus dem Takt bringt. Es entstehen sogenannte „Schlacken“, die der Körper nicht entsorgen kann und deshalb im Gewebe einlagert. Das soll die Entstehung von vielen zivilisationsbedingten Krankheiten wie z.B. Übergewicht, Gicht und Allergien begünstigen.

Grundsätzlich unterscheidet man in der basischen Ernährung deshalb sogenannte „Säurebildner“, also Nahrungsmittel, die nach der Verstoffwechselung saure Endprodukte im Körper hinterlassen und den oben genannten Effekt begünstigen. Dazu gehören alle Produkte tierischen Ursprungs, also Fleisch, Milch und Milchprodukte (Käse, Sahne, Joghurt etc.) sowie bearbeitetes Getreide (Weißmehlprodukte) und alles, was daraus hergestellt wird. Auch alles Süße gehört dazu, Alkohol natürlich auch, sowie alle industriell bearbeiteten Lebensmittel, z.B. Fertignahrungsmittel.

Dem gegenüber steht die Gruppe der „Basenbildner“, darunter versteht man vor allem alle Gemüse- und Salatsorten und das Obst. Basenbildende Lebensmittel gelten als besonders wertvoll für den Organismus und sollten einen hohen Anteil an der täglichen Ernährung haben.

Wie stelle ich fest, ob ich selbst übersäuert bin? Steigt der Säurepegel während der Schwangerschaft und wirkt sich das auf Mutter und Kind aus?

Vielerorts findet man – teils dramatische – Beschreibungen dessen, was eine falsche Ernährung bei Mutter und Kind in der Schwangerschaft auslösen könnte. Da ist z.B. vom gefürchteten Bluthochdruck ebenso die Rede wie von der Förderung von Allergien beim Kind durch falsche Ernährung. Ich persönlich halte nichts davon, Menschen und hier im besonderen werdenden Müttern, Angst zu machen. Seit Jahrtausenden bekommen Frauen unter verschiedensten Lebensumständen gesunde Kinder. Und die Schwangerschaft ist keine Krankheit. Der weibliche Körper ist von Natur aus auf die Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt, unter normalen Umständen bestens vorbereitet. Es ist aber verständlich, dass werdende Mütter nur das Beste für sich und ihr Kind wollen – und dazu gehört auf jeden Fall eine bewusste, gesunde und ausgewogene Ernährung. Das aber mit Spaß und Freude! Und neue Wege hin zu einer besseren Ernährung zu finden, ist doch ein tolles Projekt, das sich in der Schwangerschaft im wahrsten Sinne des Wortes doppelt lohnt.

Auch allgemeine Symptome von Müdigkeit, Schlappheit, unergründbare Muskel und Gelenkschmerzen und ähnliches einer Übersäuerung des Körpers zugeschrieben. Wer feststellen möchte, wie es um den Säure-Basen-Haushalt seines Körpers bestellt ist, kann sich zwecks Testung in einem Labor an einen Therapeuten wenden. Dort lässt sich die sogenannte Säure-Basen Titration nach Sander durchführen, ein alternativmedizinisches Verfahren, bei dem die Gewebeübersäuerung geprüft wird.

Zu Hause kann man – hilfsweise – der pH-Wert des Urins mit Teststreifen aus der Apotheke kontrollieren. Dabei wird über mehrere Tage bei jedem Toilettengang der pH-Wert gemessen und notiert. Die Werte im Tagesverlauf ergeben ein bestimmtes Bild. Wichtig ist dabei, die Ergebnisse richtig einzuordnen: der Körper scheidet normalerweise über den Tag mal mehr Säure, mal mehr Basen aus. Der gemessene Urin-pH-Wert sollte also variieren. Morgens ist der Urin eher sauer (pH-Werte unter 7), tagsüber werden basische Werte erreicht (pH-Werte über 7), die dann in der 2 Tageshälfte wieder Richtung saure Werte pendeln. So bekommt man zumindest einen ersten groben Überblick, inwiefern der Körper Säuren und Basen regelgerecht ausscheidet; allerdings sagen diese Werte nicht über den Zustand des Gewebes an sich aus.

Auf welche Produkte sollte weitestgehend verzichtet werden? Welche sind hingegen zu empfehlen?

Etwas wird oft missverstanden: Sich basisch zu ernähren heißt nicht, dass auf die sogenannten Säurebildner komplett verzichtet werden soll, denn auch sie liefern dem Körper wichtige Vitamine und Mineralien. Die basische Ernährung ist nicht vegetarisch oder vegan. Der Mix macht´s! Es gibt eine Faustformel, von der ich finde, dass sie ein guter Leitfaden ist: etwa 80% der täglichen Ernährung sollte aus basenbildenden Lebensmitteln bestehen und 20% aus Säurebildnern.

Übersetzt heißt das:

  • viel Gemüse, Salatsorten, Kräuter, Pilze, Kartoffeln: die ganze Bandbreite der pflanzlichen Lebensmittel gelten ja als basisch. Dazu kommen alle Obstsorten, Äpfel, Krischen, Bananen usw. Die Auswahl ist also riesig und diese vegetarischen Lebensmittel liefern dem Körper Kohlenhydrate und damit wichtige Energie. Das ist das tolle an der basischen Ernährung. Übrigens auch Mineralwasser ist basisch und sollte die Basis der Flüssigkeitsversorgung sein
  • Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Getreide kommen in Maßen dazu. Ein Beispiel: Lachs, Hering oder Aal liefern wertvolle Omega-3 Fettsäuren und sollten durchaus 2x pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Wer keinen Fisch mag, sollte darauf achten, hochwertige Speiseöle wie Kürbiskern-, Raps- oder Walnussöle zu verwenden

Auch etwas anderes möchte ich noch mal klarstellen: Ob ein Lebensmittel im Körper sauer oder basisch reagiert, wenn es verdaut und verstoffwechselt ist, hat nichts damit zu tun, ob es sauer schmeckt oder Säuren enthält. Eine Zitrone liefert beispielsweise viele basische Mineralstoffe und enthält Zitronensäure, die in basenbildende Citrate umgewandelt wird. Eiweißreiche Nahrungsmittel, wie Fleisch, Fisch oder Geflügel dagegen sind starke Säurebildner.

Wichtig ist, dass die Lebensmittel möglichst frisch, von guter Qualität und unbehandelt/unbearbeitet sind. Getreideprodukte z.B. sind durchaus unterschiedlich zu bewerten: ein herkömmliches Brot aus raffiniertem Mehl ist weniger wertvoll für denn Körper als ein Vollkornbrot. Eine sanfte Zubereitung des Gemüses, z.B. durch Dünsten statt durch Kochen, hilft, wertvolle Bestandteile zu erhalten. Wichtig für Schwangere: Obst und Gemüse immer gut waschen vor dem Verzehr oder der Verarbeitung. Fleisch immer gut durchbraten. Rohmilch und Rohmilchprodukte (z.B. Rohmilchkäse) sollten gemieden werden. Die richtige Auswahl, sorgfältiges Waschen, Braten und Dünsten/Kochen von Lebensmitteln beugt Schwangerschaftsinfektionen vor.

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Ist ihrer Meinung nach eine basische Ernährung während der Schwangerschaft unbedenklich? Welche Nährstoffe werden in der Schwangerschaft am meisten benötigt und deckt eine basische Ernährung diesen Bedarf ab?

Ja, wenn die beschriebene 80-20-Prozent-Formel eingehalten wird, kommt im Endeffekt eine gesunde und ausgewogene Mischkost dabei heraus und das ist eine gute Basis für die Schwangerschaft. Und darüber hinaus auch später für die Stillzeit und die Ernährung des Kindes, wenn es anfängt Erwachsenenkost zu essen.

Tatsächlich ändert sich der Nährstoffbedarf der werdenden Mutter. Ein wichtiger Baustoff für den Körper, der vor allem während der Schwangerschaft in erhöhtem Maß benötigt wird, ist Eiweiß. Klassische Proteinlieferanten sind Fleisch, Milch und Milchprodukte, aber in einem vernünftigen Maß. Diese sind ja in der basischen Ernährung mit von der Partie. Und auch pflanzliche Lebensmittel liefern durchaus Proteine.

Grade zu Beginn der Schwangerschaft, in den ersten drei Monaten, steigt der Folsäurebedarf. Grüne Gemüsesorten wie Spinat, Wirsing oder Mangold z.B. enthalten viel Folsäure. Allerdings ist Folsäure licht- und wärmempfindlich und kann bei der Zubereitung verloren gehen. Auch der Bedarf an B-Vitaminen, Eisen, Jod, Zink und Vitamin C steigt in der Schwangerschaft. Aber auch hier ist ein Mangel durch basische Mischkost nicht zu befürchten. Das für das Baby so wichtige B6-Vitamin steckt z. B. in Hülsenfrüchten und Kartoffeln ebenso wie in Milch und Fleisch.
Dennoch haben viele schwangere Frauen Sorge, durch die „normale“ Ernährung nicht genug Vitamine und Co. zu sich zu nehmen. Mein Appell ist, dennoch nicht wahllos zu Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen. Alles, was an Nährstoffen direkt aus natürlichen Lebensmitteln kommt, ist für den Körper viel wertvoller, als Tabletten, Pülverchen und Kapseln. Klären Sie mit Ihrem behandelndem Arzt/Ärztin ab, welche zusätzliche Gabe von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen in Einzelfall sinnvoll bzw. wirklich nötig ist. Das schont die Nerven und den Geldbeutel.

Wie stehen Sie zur These „für zwei essen“ während der Schwangerschaft? Inwieweit verändert sich der tägliche Energiebedarf?

Es ist längst widerlegt, dass eine Schwangere für zwei essen muss, aber die Idee hält sich hartnäckig, es scheint ja auch irgendwie logisch. Tatsächlich steigt der Energiebedarf zwar, aber nur um etwa 220 Kilokalorien pro Tag. Das ist sehr wenig! Um es mal greifbar zu machen: ein gut belegtes kleines Käsebrot liefert diese Energie bereits. Und dieser zusätzliche Bedarf erhöht sich auch nicht während der Schwangerschaft, egal ob Sie im 2. Monat oder 8. Monat sind. Auch wenn das Baby wächst und gedeiht und sich mehr und mehr bemerkbar macht: das Kind wird von der werdenden Mutter ganz nebenher mit versorgt. Faszinierend, nicht wahr?

Ein guter Ratgeber beim Essen ist der Hunger – dann wird es Zeit etwas zu sich zu nehmen. Schluss ist, wenn man satt ist. So einfach ist das – zumindest theoretisch! Heißhungerattacken und Lust auf Süßes sind in der Schwangerschaft allerdings typisch; vermutlich ist ein stark schwankender Blutzuckerspiegel der Hintergrund dafür. Mein Tipp: Halten Sie regelmäßig drei Hauptmahlzeiten ein und gönnen Sie sich ebenso regelmäßig zwischendurch drei kleine Zwischenmahlzeiten (1 Stück Obst, 1 Joghurt oder ähnliches.) Das hält den Blutzuckerspiegel konstant.

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Was kann man über die Ernährung hinaus noch tun, um den Säure-Basenhaushalt zu beeinflussen? Was halten Sie persönlich z.B. von Säure-Basen-Bädern?

Bäder können auch in der Schwangerschaft herrlich entspannend sein. Allerdings sollten sie nicht zu heiß sein und die Wassertemperatur sollte deshalb die 38 Grad nicht überschreiten. Auch die Badelänge ist sehr individuell, sie sollte zwischen 20 und 30 Minuten liegen. Wichtig ist, dass der Blutdruck beim Baden nicht zu stark absinkt. Dieser Effekt ist bei jedem Menschen sehr unterschiedlich. Schwangere sollten deshalb Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt halten, was für sie das Beste ist.

Basische Bäder haben folgendes Wirkprinzip: Das mit basischen Zusätzen angereicherte warme Wasser löst den Säureschutzmantel der Haut. Dadurch werden darin gebundene Stoffwechselendprodukte ausgeschwemmt. Zugleich wird die Haut angeregt, den Säureschutzmantel neu aufzubauen. Wie wohltuend ein Basenbad ist, merkt man sofort: die Haut wird weich und geschmeidig. Wer mag kann den ganzen Vorgang auch mit einem sanften Peeling, z.B. mit Seesand-Mandelkleie, noch fördern.

Wer nicht gerne badet, der kann ein basisches Duschpeeling durchführen. Dazu wird z.B. grobes Meersalz mit Öl und einem basischen Hautpflegepuler vermischt und während des Duschens sanft auf der Haut verrieben.

Nach der Schwangerschaft und der Stillzeit kann eine basischen Fastenkur der jungen Mutter helfen, wieder in Form zu kommen, den Körper nach der Hochleistungszeit zu entsäuern und den Stoffwechsel sanft wieder zu erden. Beim basischen Fasten wird – in kleinen Portionen – weiter gegessen. Es geht nicht um´s Hungern, sondern um den Bewußtseinswandel. Diese Kuren dauern sieben Tage, mit Entlastungs- und Aufbautagen insgesamt zwei Wochen. Ich biete basische Fastenkuren ab dem Januar 2018 auch online begleitet an. Vielleicht eine gute Art und Weise zu fasten, wenn man durch ein Baby im Haus in der Terminplanung eingeschränkt ist.

Welche Bücher können Sie zur basischen Ernährung empfehlen?

  • Abwechslungseiche Rezepte findet man z.B. bei Martina Kittler, Gut, basisch, lecker, ZS Verlag, 2016
  • Oder auch hier: Jürgen Vormann, Karola Wiedemann, Säure-Basen-Kochbuch, Jeden Tag basisch genießen, GU Verlag, 2015
  • Grundlegendes zum Thema liefert „Entsäuern und Entgiften“: Michael Worlitschek, Säure-Basen-Haushalt, Wie Sie ihren Körper wirkungsvoll entsäuern, Trias Verlag 2011

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Weitere Informationen zu Ernährung & Gesundheit unter www.maypraxisblog.de sowie zur Anmeldung der Vorträge unter www.aspria.com

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