Ratgeber für Eltern: So überlebt die Beziehung – trotz Baby

MUM, Medien

Uli Morant

Ein Kind verändert alles – das stellen Eltern nach der Geburt schnell fest. Die amerikanische Journalistin Jancee Dunn beschreibt in ihrem Buch "Bring deinen Mann nicht gleich um – du könntest ihn noch brauchen" wie man die Elternzeit überlebt, Beziehungsfallen vermeidet und das (neue) Familienleben harmonisch hält.

Ist es wirklich so schlimm, wenn der Windeleimer nicht sofort geleert wird?

Jancee Dunn führt eigentlich eine glückliche Ehe. Sie hat eine Tochter und einen wunderbaren Mann, Tom. Doch nach der Geburt ihres Babys schleicht sich langsam ein anderer Ton in ihre Beziehung ein. Es gibt wiederholt Streit, denn Jancee fühlt sich überfordert. Obwohl sie ein aufgeschlossenes, modernes Paar sind, hat sich mit dem Baby eine klassische Arbeitsteilung eingeschlichen: Jancee ist für Baby und Haushalt zuständig, Tom kümmert sich fast ausschließlich um seinen Job.

Die Situation eskaliert, als Tom zum wiederholten Mal nicht auf Jancees Bitte reagiert, den stinkenden Windeleimer zu leeren: „In Sekundenschnelle rauschte eine Woge heißen Zorns durch mich hindurch. Behutsam legte ich das Baby ab, stürmte ins Schlafzimmer und feuerte eine Tirade verächtlicher, zugegebenermaßen ziemlich kindischer Schimpfwörter auf Tom ab“, schildert die Autorin in ihrem Buch.

Das nimmt Dunn als Warnung – und zum Anlass, ihre Ehe und ihr Familienleben auf den Prüfstand zu stellen. Dunn befragt Pädagogen, Beziehungsexperten, Paartherapeuten und Erziehungswissenschaftler, sie recherchiert neueste Studien zum Thema Beziehung und Kinder und probiert alle möglichen Strategien aus, um ihr Familienleben und ihre Partnerschaft zu verbessern.

Woher kommt die Wut auf den Partner?

Interessant ist, dass Dunn bei vorsichtigen Umfragen im Bekannten- und Freundeskreis feststellt, dass sie mit ihrer unterschwelligen Wut auf ihren Partner nicht allein ist. Viele Mütter gestehen ihr, ähnliche Gefühle zu haben. Auf der Suche nach den Ursachen stellt Dunn fest, dass das vor allem an der ungleichen Aufteilung der Haushaltspflichten liegt. Sie zitiert eine Studie der University of Maryland, nach der „verheiratete Mütter nach wie vor fast dreieinhalb Mal mehr Hausarbeiten erledigen als verheiratete Väter“.

Und sie erinnert sich an den Tipp der amerikanischen Komikerin Tina Fey aus „Bossypants: Haben Männer Humor“: „Dort geht es an einer Stelle darum, wie man trotz Baby noch ein kleines bisschen Zeit für sich selbst findet: ‚Sagen Sie, Sie würden nach der Windelcreme suchen, dann gehen Sie ins Kinderzimmer und stehen einfach bloß da, bis Ihr Mann kommt und barsch fragt: Was machst du die ganze Zeit?'“

Das Phänomen des Maternal Gatekeeping

Es ist amüsant und lehrreich, wie Dunn Schritt für Schritt versucht ihren Mann Tom zu einer gerechteren Aufteilung der Haushalts- und Betreuungspflichten zu animieren. Dabei spart sie durchaus nicht mit Selbstkritik: „Auf meine Klagen hin, wie sehr ich mir doch wünsche, Tom würde sich mehr einbringen, kontert er regelmäßig mit der Ausrede, ich würde mich ständig einmischen, wenn er es denn einmal tut.“ Sie entlarvt ihr persönliches Maternal Gatekeeping, so der Begriff den Psychologen für genau dieses Phänomen entwickelt haben. „Letzteres Verhalten kann alles umfassen, vom alleinigen Treffen sämtlicher Entscheidungen in Bezug auf Kindergarten und Schule über die Kritik an dem von ihm gekochten Mittagessen bis hin zu lautstarkem Protest, wenn er einmal mit den Kindern herumtollt,“ erklärt Dunn.

Ganz bewusst integriert sie Tom ab sofort in alle Belange ihrer inzwischen sechsjährigen Tochter, involviert ihn, wenn Probleme in der Schule auftreten und macht sich locker, wenn die beiden an einem Mama-freien Abend Pizza und Süßigkeiten in sich hineinstopfen, statt etwas Gesundes zu essen.

Wie führt man eine glückliche Beziehung mit Kindern?

Die Autorin, die in Amerika bereits einige Bücher veröffentlicht hat und regelmäßig für das Magazin „Parents“ schreibt, erzählt wie sie ihre Beziehung Stück für Stück schonungslos auseinander nimmt und neu zusammen setzt. Sie geht darauf ein wie man richtig streitet ohne den anderen dabei zu entwürdigen, wie ein Wochenende trotz Kindern für beide Elternteile Erholung bieten kann und wie man sein Liebesleben wieder neu in Schwung bringt.

Ein kleiner Nachteil ist, dass die angegebenen Statistiken sich hauptsächlich auf die Verhältnisse von Eltern in den USA beziehen. Dort gibt es weder Elternzeit und nur in wenigen Bundesstaaten geregelten Mutterschutz. Auch scheint vom Humor der Autorin in der Übersetzung etwas verloren gegangen zu sein. Trotzdem ist Dunns Buch durchaus empfehlenswert. Sie schildert die für viele Neu-Eltern typischen Paarprobleme ohne erhobenen Zeigefinger. Viele Tipps, die sie recherchiert hat und weitergibt, sind nachahmenswert und hilfreich – übrigens auch für Paare, die schon länger zusammen sind und ältere Kinder haben.

Wer sich den Titel „Bring deinen Mann nicht gleich um – du könntest ihn noch brauchen“ (englischer Originaltitel „How Not To Hate Your Husband After Kids“) überlegt hat…? Tja! Auf jeden Fall kann man diese Abschreckung großzügig überwinden und das Buch trotzdem lesen. Jancee Dunn ist – entgegen dessen, was der Buchtitel vielleicht vermuten lässt – eine intelligente Autorin, die kurzweilig und unterhaltsam schreibt.

Bring deinen Mann nicht gleich um du koenntest ihn noch brauchen von Jancee Dunn

Erschienen im Mosaik Verlag für 15 Euro.

 

 

 

 

 

 

Bild: unsplash, Heidi Sequera

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