Working Mum: Im Gespräch mit Innenarchitektin Dorothee Meilichzon

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Hinter der glatten Fassade und dem unschuldigen Schulmädchenblick steckt eine beinharte Businessfrau.Working Mum Dorothee Meilichzon im Gespräch.

Die Designerin Dorothée Meilichzon hat gerade den Flagship-Store des Kinderlabels Tartine et Chocolat in Paris neu gestaltet. Wir trafen sie zum Interview.

Achtung der Schein trügt. Hinter der glatten Fassade und dem unschuldigen Schulmädchenblick steckt eine beinharte Businessfrau. Die Innenarchitektin Dorothee Meilichzon, deren Namen die Franzosen immer noch nicht aussprechen können, zählt zu den gefragtesten Talenten ihrer Generation und hat in den letzten Jahren die Pariser Nightclub-und Hotellerieszene gründlich entstaubt. Sie kennt nicht nur die Rezepte von Bloody Mary und Planters Punch aus dem efeff. Die knapp 30-Jährige, die in der renommierten Rhode Island School of Design in New York Grafikdesign studiert hat, kam eigentlich rein zufällig zur Innenarchitektur. Ihr erstes Projekt, das Pariser Hotel Paradis ist ein kleines aber feines Boutiquehotel zwischen Galeries Lafayette und Montmartre: frecher Mustermix an den Wänden, Vintagemöbel in der Lobby, schlichte aber plüschige Gemütlichkeit auf den Zimmern. “Ich dachte dabei an Träume, Wolken, Himmel und Vögel. Auf einigen Wänden fliegen Paradiesvögel, ich wollte dem Hotel einen Hauch von Poesie verleihen,” so Dorothée über ihre Arbeit. Heute kombiniert sie gewagt Tapetenmuster, Zementfliesen und Vintagestoffe, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Der Stilmix ist längst zu ihrem Markenzeichen geworden , obwohl vor ein paar Jahren in Paris noch cooler Minimalismus angesagt war.

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Das Hotel Grand Pigalle, eine Art B&B (= Bed and Beverage) an der berühmten Place de la Pigalle, ist ein Partyhotel mit heimeliger Atmosphäre, ein paar Monate danach das Hotel Bachaumont im Herzen von Paris. Ein 4 Sternepalast im Pariser Textilviertel mit 49 Zimmern, eigener Cocktailbar und Restaurant, für das sie fast das komplette Mobiliar entworfen hat –  von den Lampen bis zum Treppengeländer. “Ich fühle mich doch sehr vom anglosaxonischen Stil inspiriert.” Hauptsache cosy also, nur nicht steif oder anonym. Mittlerweile findet der nonchalante Retro-Stil der Französin auch jenseits des Ärmelkanals Anklang: In den letzten beiden Jahren hat die Interieurdesignerin gleich drei  angesagte Restaurant-Bars in der Trendsetter-Metropole London ausgestattet: der Fish-Club, Beef Club und Joyeux Bordel tragen ihre Handschrift. Im Experimental Cocktail Club an der Lower East Side in New York sind die Decken mit Zinnplatten verkleidet, an der Wand hängen Tapeten der elsässischen Manufaktur Zuber. Manche Drinks werden am Klavier gemixt. Für den French Touch der Einrichtung sorgt auch hier Dorothée Meilichzon, die das mit dem raffinierten Flair zur Perfektion beherrscht. In Spanien kennen nicht nur Nightclubber mittlerweile die Bar Experimental Beach Club auf Ibiza.

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Söhnchen Joseph ist 20 Monate alt, Babypause gab es demnach keine, dazu liebt sie ihren Job zu sehr. Und mit 34 kann man ein paar schlaflose Nächte offensichtlich noch locker wegstecken. Auch wenn am nächsten Morgen die Baustelle wartet und 20 Facharbeiter zu koordinieren sind. Nach Hotels, Clubs und Restaurants durfte sie nun erstmals eine Boutique ausstatten: den Pariser Flagshipstore von Tartine & chocolat. Luna mum hat sie zwischen Tür und Angel, sprich Fläschchen und Baustelle, kurz zum Interview festhalten können.

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Dorothée Meilichzon, wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Was bitte schön? Wir Französinnen haben doch ein unheimliches Glück. Es gibt Subventionen, Kindermädchen und Krippenplätze, es wird uns jungen Müttern leicht gemacht. Ich bereue nichts, alles was ich tue, hab ich mir selbst so ausgesucht. Einen Monat nach der Geburt hab ich wieder zu arbeiten begonnen, aber in der Version soft, bitte schreiben sie das auch, sehr soft !

Wie sieht der Alltag aus ? Wer macht was ?

Tagsüber haben wie ein Kindermädchen zu Hause. Olivier ist ein Super Papa, er kocht und kümmert sich abends ab 19:00 um unseren Sohn, bis ich nach Hause komme. Ich übernehme morgens, die Wochenenden gehören prinzipiell immer uns dreien. Und meine Mutter ist auch sehr präsent. Wenn ich ins Ausland muss, springt sie ein.

Wie kam es zum Relooking der Boutique Tartine & Chocolat?

Ich kenne dieses Label noch aus meiner Kindheit und hab sofort zugesagt, als man mich gefragt hat! Joseph war gerade ein Neugeborenes, insofern war ich mit dieser Baby-Welt sowieso konfrontiert. Nostalgie, Nostalgie also! Die Igelpfoten im Mosaikfussboden, ja das war meine Idee. Der Igel, längst vergessenes Aushängeschild von Tartine & Chocolat, war schließlich mein Kindheitsidol!

Gibts eigentlich Änderungen oder Einschränkungen im Berufsleben, seit Joseph auf der Welt ist ?

Keine Reisen mehr in die USA… zumindest momentan nicht! Abends gehen wir prinzipiell erst aus, wenn Joseph schon schläft. Wenn ich beruflich in Europa unterwegs bin, nehme ich Joseph mit, er liebt es nämlich,  im Hotel zu übernachten. Neulich waren wir in London , davor in Stockholm… reisen macht die Kinder offener. Auch auf meine Baustellen nehme ich ihn immer mit, zumindest dann, wenn die schlimmste Phase überstanden ist. Staub mag er nämlich gar nicht. Das einzige, was ich beim nächsten Baby anders machen würde? Vielleicht eine längere Auszeit nehmen. Drei Monate vielleicht? Naja, mal sehen!

Text: Doris Barbier
Fotos: Theodora Richter, PR

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