Wochenbett – Alles, was Du über die Zeit nach der Geburt wissen solltest

MUM, Wohlfühlen

Das Wochenbett umfasst die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Für Mutter und Baby ist diese Zeit besonders intensiv. Wir sagen, was du für das Wochenbett alles brauchst, wer dir hilft, was du essen darfst und vieles mehr.

Als Wochenbett bezeichnet man die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Für Mama und Baby ist die Zeit im Wochenbett eine ganz besondere Phase. Das Neugeborene nimmt erste Eindrücke auf. Die frischgebackene Mutter muss sich von der Entbindung erholen. Was du im Wochenbett alles brauchst, was dir gut tut, wer dir hilft  und was du beachten solltest erfährst du hier.

Woher kommt der Begriff?

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Zeit des Kennenlernens: Im Wochenbett bauen Mutter und Baby eine intensive Beziehung auf (Foto: Unsplash)

In unseren Ohren klingt Wochenbett vielleicht etwas altmodisch. Tatsächlich ist es aber die übliche Bezeichnung für die erste Zeit nach der Entbindung, die die junge Mutter – die früher auch Wöchnerin genannt wurde – in der Regel im Bett verbringt. Dort soll sie sich von den Strapazen und eventuellen Verletzungen, die bei der Geburt entstanden sind (wie Dammschnitt oder Dammriss), erholen. Zudem sollen sich Mutter und Baby aneinander gewöhnen, das Stillen muss sich einspielen. Beide brauchen viel Ruhe und Zeit für sich.

Wie lange dauert das Wochenbett?

In der Regel sechs bis acht Wochen. In der chinesischen Tradition spricht man von den „ersten vierzig Tagen“, also sieben Wochen, die das Wochenbett dauert. In dieser Zeit soll sich die Mutter schonen und unnötige körperliche Anstrengungen vermeiden. Früher galt noch die Strenge Regel, in der Zeit das Bett und das Haus überhaupt nicht zu verlassen. Das ist natürlich überholt! Jede Frau entscheidet für sich, wieviel Ruhe sie braucht, wie häufig sie Besuch bekommen möchte, ob sie mit dem Baby schon eine Runde um den Block laufen will oder lieber drin bleiben will.

Was brauche ich?

Es ist wichtig, sich auf die Zeit nach der Entbindung vorzubereiten. Eine Reihe von Essentials für das Wochenbett solltest du im Haus haben, damit du nicht ständig jemanden bitten musst, sie zu besorgen. Wobei man im Wochenbett alle Unterstützung annehmen darf und sollte, die man braucht! Aber dazu später mehr. Hier eine kleine Checkliste:

Binden: Nach der Geburt setzt der sogenannte Wochenfluss  (Lochein) ein. Die Gebärmutter sondert nach der Ablösung der Plazenta Blut, Schleimhautreste und Wundsekret ab. Du brauchst stärkere, dickere Binden als bei der Periode. Spezielle Wochenbett-Binden gibt es in der Apotheke oder in Drogeriemärkten. Lege dir einen ausreichend großen Vorrat zu und wechsle sie regelmäßig. Wie lange der Wochenfluss dauert und wie stark er ist, ist von Frau zu Frau unterschiedlich.

Stilleinlagen: Es gibt verschiedene Varianten. Zum Beispiel Einmal-Einlagen aus Baumwollvlies oder waschbare Einlagen aus Stoff. Am besten probiert jede Frau aus, was sie lieber mag, gut verträgt und praktisch findet. Stilleinlagen bekommt man in der Apotheke oder Drogerie. Du brauchst sie in den ersten Wochen, bis der Milchfluss und dein Baby sich aufeinander eingestellt haben. Im Wochenbett nach dem ersten Milcheinschuss tritt die Milch oft noch unwillkürlich aus der Brust aus, es „tropft“. Um Flecken zu vermeiden, helfen die Stilleinlagen.

Still-BHs und Nachthemden: Lege dir für das Wochenbett zwei bis drei gut sitzende, bequeme Still-BHs zu sowie zwei bis drei praktische Nachthemden oder Oberteile, die du leicht aufknöpfen oder mit dem Reißverschluss aufmachen kannst. Denn dein Baby will häufig gestillt werden und braucht auch sonst viel Körperkontakt. Gönne dir schöne Teile oder lass sie dir schenken! In einem hübschen Nachthemd fühlt man sich gleich wohler , selbst müde und mit ungewaschenen Haaren.

Stilltee und stilles Wasser: Spezielle Stilltees (Kräutertees mit Fenchel, Anis etc.) gibt es in der Apotheke. Sie regen die Milchbildung an. Auf jeden Fall wichtig ist ein großer Vorrat an stillem Wasser. Denn im Wochenbett gilt: Viel Trinken! 2 bis 3 Liter sollten es idealerweise sein. Wer es mag, kann auch zu Malzbier greifen. Das hat ebenfalls milchbildungsanregende Wirkung.

Kühlpads: Sie können in verschiedener Hinsicht hilfreich sein. Bei angeschwollenen, schmerzenden Brüsten tut Kühlung gut. Manche Frauen finden Kühlung auch angenehm nach einem Dammschnitt oder Dammriss. Deshalb vorsorglich mehrere Kühlpdas in unterschiedlichen Größen in den Kühlschrank packen, aber nie zu lange und ohne Tuch auf die Haut legen!

Calendula-Essenz, Sitzbäder, Damm-Öl: Nach einem Dammriss oder Dammschnitt ist dieser Bereich besonders empfindlich und braucht Zeit zur Heilung. Unterstützend wirken kann dabei Calendula-Essenz aus der Apotheke oder spezielle Sitzbäder sowie sanftes Massieren mit speziellem Damm-Öl. Frage dazu deine Hebamme um Rat. Auch wichtig: Weiches Toilettenpapier, damit nichts scheuert.

Fieberthermometer: Häufig kommt es zu erhöhter Temperatur im Wochenbett. Um diese zu Überprüfen und bei zu hohem Fieber Arzt oder Hebamme zu holen solltest du ein Fieberthermometer griffbereit haben.

Arnika-Globuli: Unterstützen die Wundheilung im Wochenbett

Was darf ich essen im Wochenbett?

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Leicht und wärmend: Eine milde Kürbissuppe spendet Energie im Wochenbett (Foto: Unsplash)

Die Ernährung spielt gerade im Wochenbett eine besondere Rolle. Mütter brauchen nach der Geburt stärkende, energiespendende Speisen, die leicht zu verdauen sind. Organisiere dir Hilfe, indem du dich entweder bekochen lässt (von der Mama, vom Partner, einer Freundin etc.) oder im Vorfeld schon vorkochst und Gerichte einfrierst, die dann nur aufgetaut werden müssen. Auch Lieferdienste sind eine gute Alternative.

Erlaubt ist alles, was wärmt und stärkt, wie z.B. Suppen, Eintöpfe, Brühe, gekochtes Gemüse, Hühnchen, weich gekochtes Lamm- oder Rindfleisch, fettreicher Fisch (Makrele, Lachs). Auch Hafer- oder Grießbrei, Porridge, warme Milch und Kompotte sowie mildes Obst (mit wenig Fruchtsäure) wie Bananen oder Aprikosen oder Trockenfrüchte als Snack. Ebenso gut zum Snacken geeignt sind Nüsse oder Studentenfutter – allerdings nicht gesalzen, sondern naturbelassen.

Vermeiden solltest du scharfe, stark gewürzte oder zu süße Speisen. Auch Salat und Rohkost, rohes Fleisch, roher Fisch, Eis, gesüsste Getränke, koffeinhaltige Getränke (Schwarztee, Kaffee, Cola etc.) sowie Alkohol gehören im Wochenbett nicht auf den Speiseplan.

Rezepte und Tipps rund ums Wochenbett gibt es im Buch „Die ersten vierzig Tage“ von Heng Ou.

Sex im Wochenbett?

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Sex im Wochenbett oder lieber nur Kuscheln (Foto: Unsplash)

Die Frage nach Sex im Wochenbett wird häufig gestellt. Die meisten jungen Mütter stellen jedoch fest, dass ihnen nach einer schmerzhaften Geburt, mit geschwollenen Stillbrüsten, einer Dammnaht und einem schreienden Säugling ohnehin nicht nach Sex zumute ist. Ärzte raten zu einer Sex-Pause von vier bis sechs Wochen, um Infektionen zu vermeiden. Bis der Wochenfluss vorbei ist, sollte man auf jeden Fall warten. Das gilt als Empfehlung, aber feste Regeln gibt es natürlich nicht! Wenn die Geburt gut verlief und es anschließend keine Komplikationen gibt und beide Partner Lust auf Sex haben, ist das auch okay. Nur vorsichtig sollte man sein. Zum einen, weil Vagina und Damm noch empfindlich sind nach der Geburt. Zum anderen, weil Frauen – entgegen anderer Behauptung – auch während der Stillzeit und rasch nach der Entbindung bereits wieder schwanger  werden können. Deshalb unbedingt Kondome verwenden, um Infektionen oder eine erneute Schwangerschaft zu verhindern.

Wer hilft mir im Wochenbett?

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Die Hebamme macht regelmäßig Hausbesuche im Wochenbett (Foto: Unsplash)

Erste Ansprechpartnerin im Wochenbett ist in der Regel deine Hebamme. Sie kommt nach der Entbindung regelmäßig vorbei und schaut, wie es dir und deinem Baby geht. Wichtig für dich zu wissen: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen – neben den üblichen ersten zehn Besuchen –   in den ersten acht Wochen nach der Geburt auch noch 16 weitere Hebammenbesuche, wenn Du diese Hilfe möchtest bzw. brauchst, zum Beispiel bei Stillproblemen oder einem Schreibaby. Die Hebamme überwacht die Heilungs- und Rückbildungsvorgänge, hilft dir beim Stillen, bei Brustentzündungen oder Milchstau. Sie kontrolliert, ob sich dein Baby wohlfühlt, ob es zunimmt, ob Entwicklung und Wachstum stimmen. Es wird gewogen, beim Stillen beobachtet und nach seinem Schlaf- und Wachrhythmus gefragt. Bei Komplikationen oder ernsthaften Problemen (wie hohem Fieber) solltet ihr zudem ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

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Bonding: Für die Beziehung zum Baby ist es wichtig, dass auch der Papa im Wochenbett kuschelt (Foto: Pixabay)

Ebenfalls eine wichtige Rolle im Wochenbett spielt dein Partner. Lass ihn (oder sie) teilhaben am besonderen Zauber dieser ersten Zeit, indem ihr gemeinsam mit eurem Baby auf dem Bett liegt, kuschelt oder es einfach nur beobachtet (spannender und faszinierender als jeder Film!). Wickeln, tragen, beim Anlegen zum Stillen helfen, Dinge besorgen, die du vergessen hast, dir etwas zu Essen und zu Trinken bringen, eine entspannende Fußmassage. Es gibt unzählige Dinge, mit der dich dein Partner liebevoll unterstützen kann.

Mutter, Schwiegermutter, Schwester oder eine gute Freundin können ebenfalls eine große Hilfe im Wochenbett sein. Ebenso nette Nachbarn. Ganz wichtig: DU entscheidest, wen du in der ersten Zeit um dich haben möchtest. Wenn du Ruhe brauchst, grenze die Zahl der Personen ein. Falls es schon ältere Geschwisterkinder gibt, ist es ratsam, frühzeitig nach einer zusätzlichen Betreuung (durch Oma oder Opa, Tante etc.) für diese Zeit zu suchen.

Haushaltshilfe fürs Wochenbett

Mit Aufräumen, Wäsche waschen, putzen etc. solltest du dich im Wochenbett nicht beschäftigen. Wenn dein Partner oder deine Mutter (oder die Schwiegermutter, Freunde etc.) das nicht stemmen können oder wollen, ist eine Haushaltshilfe für diese Zeit eine gute Alternative. Kümmere dich rechtzeitig vor dem Geburtstermin um eine entsprechende Kraft. Wichtig: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Haushaltshilfe nur, wenn du tatsächlich keine familiäre Unterstützung hast. Sollte dein Partner Urlaub oder Elternzeit haben, müsst ihr die Kosten selber tragen. Aber selbst dann lohnt sich diese Investition, denn sie bedeutet für euch alle weniger Stress!

Besuch im Wochenbett

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Besuch im Wochenbett ist schön, aber du darfst auch Nein sagen (Foto: Unsplash)

Natürlich wollen nach der Geburt möglichst bald Familie, Freunde und Verwandte kommen, um das Baby zu begrüßen. Das ist schön – kann aber schnell auch zu viel werden. Vergiss nicht, dass das Wochenbett vor allem dir und deinem Neugeborenen gehört und ihr euch in dieser Zeit ausruhen und aneinander gewöhnen sollt. Deshalb ist es völlig in Ordnung, in der ersten Zeit noch keinen Besuch zu empfangen oder die Besuchszeit auf ein kurzes Hallo zu beschränken. Höre auf dein Bauchgefühl und entscheide, wen du wann sehen willst (wenn überhaupt) oder ob du einfach die Ruhe und den geschützen Rahmen des Wochenbetts für dich und dein Baby brauchst. Denn diese Zeit ist einmalig und kostbar. Gelegenheiten für Baby-Besuche gibt es auch danach noch ausreichend.

Depressionen im Wochenbett

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Baby-Blues: Stimmungsschwankungen im Wochenbett sind ganz normal (Foto: Unsplash)

In den ersten Tagen nach der Entbindung erleben Frauen nicht nur Glücksgefühle. Auch das Gegenteil kann der Fall sein: Durch den plötzlichen Hormonabfall nach der Geburt fallen viele junge Mütter in ein Stimmungsloch und bekommen den „Baby-Blues“, früher auch flapsig „Heultage“ genannt. Erschöpfung, Müdigkeit, Stillprobleme oder körperliches Unwohlsein kommen noch hinzu und verstärken die negativen Gefühle. Keine Angst! Das ist ganz normal und noch kein Grund zur Sorge oder zu Zweifeln daran, ob man eine gute Mutter ist. Oft pegeln sich die Stimmungsschwankungen von alleine wieder ein. Hilfreich ist liebevolle Unterstützung und Fürsorge durch den Partner und das engste Umfeld, viel Ruhe und positives Feedback für die junge Mutter.

Solltest du jedoch merken, dass deine Niedergeschlagenheit und die negativen Gefühle (auch deinem Baby) gegenüber längere Zeit anhalten, kann das ein Anzeichen für eine Wochenbett-Depression sein. Dann brauchts du Hilfe von deiner Hebamme bzw. von Ärzten und Psychologen, denn eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die nicht von allein verschwindet.

Bild: Stefa Nikolic / getty

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