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Späte Mütter: Zu alt für ein Baby?

MUM, Medien

Stefanie Staiger

Männer können auch mit 50 noch Väter werden. Frauen haben es da schwerer. Warum es immer mehr späte Mütter gibt war Thema der Talkshow "Hart aber fair"

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„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg (Foto: WDR/Dirk Borm)

Moderator Frank Plasberg ist selbst ein später Vater: Mit 53 Jahren ist er noch einmal Papa geworden. „Bei Männern regt sich keiner auf, wenn sie mit einer jungen Frau in späten Jahren noch eine Familie gründen. Ich mache nichts anderes. Ich bin 50, habe einen 37-jährigen Partner und wir bekommen ein Baby. Aber ich werde dafür heftig angefeindet“, sagt die schwangere Moderatorin Caroline Beil und kritisiert, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Das Thema „Späte Mütter“ wurde am Montagabend in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ diskutiert und ist hochaktuell: „Alles erreicht – und dann noch ein Baby? Kinderwunsch ohne Altersgrenze?“ war die provokante Frage des Abends.

Hart, aber wahr: Die Fruchtbarkeit nimmt drastisch ab

Die Gäste: Der Reproduktionsmediziner Dr. Jörg Puchta, die katholische Theologin Michaela Freifrau von Heeremann, Moderatorin Caroline Beil, die Filmemacherin Ina Bormann und der Medizinethiker Giovanni Maio. Der Einstieg in die Talkrunde begann mit einem nüchternen Faktencheck zur Fruchtbarkeit, die mit zunehmendem Alter kontinuierlich abnimmt. Der Grund: Der Eizellvorrat der Frauen wird im Lauf der Jahre stetig weniger, auch die Qualität lässt nach. Am fruchtbarsten sind Frauen in ihren Zwanzigern. Schon ab 35 Jahren sinkt die Wahrscheinlichkeit, auf natürlichem Wege schwanger zu werden, signifikant. Mit 41 ist bereits jede zweite Frau unfruchtbar. Aber auch bei Männern nimmt die Spermienqualität und -anzahl im Alter ab. Harte Fakten, die viele erschrecken, denn längst wird durch die Medien etwas anderes suggeriert. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Fruchtbarkeit ab 40 so drastisch sinkt“, sagt die freiberuflich tätige Filmemacherin Ina Bormann, die ihren Kinderwunsch auch aufgrund ihrer unsicheren beruflichen Situation lange aufgeschoben hat.

Warnung vor dem „Machbarkeitswahn“

ARD "hart aber fair"am Montag 20.03.2017, um 21.00 Uhr, live aus Kölnâhart aber fair: Titel: Alles erreicht, dann noch ein Baby â Kinderwunsch ohne Altersgrenze?Schwanger mit 50 â Caroline Beil macht es vor und erntet Kritik. Soll Eltern alles erlaubt sein, was geht? Erst Karriere und dann noch Nachwuchs, passend zum perfekten Lebensentwurf? Und wie ergeht es Kindern, deren Eltern alt wie Oma und Opa sind?Zu Gast bei Frank Plasberg sind:⢠Caroline Beil, Moderatorin und SchauspielerinFOTO© WDR/Dirk Borm

Moderatorin Caroline Beil wird mit 50 noch einmal Mutter (Foto: WDR/Dirk Borm)

Natürlich lässt sich dank großer Fortschritte in der Reproduktionsmedizin inzwischen vieles machen, um älteren Paaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Aber der Mediziner Dr. Jörg Puchta warnt vor einem „Machbarkeitswahn“. „Die Behandlungsmethoden der künstlichen Befruchtung  stellen für die meisten Paare eine sehr große psychische Belastung dar“, erklärt er. „Vieles lässt sich inzwischen machen, aber nicht alles. Ich rate den Paaren deshalb immer, auch einen Plan B zu machen. Kinderwunschbehandlungen sind sehr anstrengend und seelisch belastend.“

Ina Bormann hat sich ihren Kinderwunsch mittels künstlicher Befruchtung erfüllt, aber es war ein langer, harter und teurer Weg. Ihre Erfahrungen hat sie im bewegenden Dokumentarfilm „Alle 28 Tage“ festgehalten. Viele vergebliche Versuche und etliche Tiefschläge hat sie in Kauf genommen. Tränen, Warten, Hoffen – und wieder eine große Enttäuschung. „Ich hatte das Glück, einen wunderbaren Partner und einen sehr verständnisvollen Arzt zu haben, der uns auf diesem Weg begleitet hat“, sagt Ina Bormann, die ihren Wunsch nach einem leiblichen Kind nicht aufgeben wollte. „Adpotion war für uns kein Thema. Ich war so sehr drin in dieser Kinderwunschbehandlung. Darauf hätte ich mich nicht einlassen können.“ Rund 25.000 Euro hat die Behandlung gekostet. Für zwei Freiberufler auch finanziell eine enorme Belastung. Vom seelischen Druck ganz zu schweigen. „Es gab Momente, da war ich wirklich am Ende“, gesteht die Regisseurin. Heute ist sie glückliche Mutter eines neun Monate alten Jungen – mit 47 Jahren.

Akademikerinnen warten (zu) lange mit dem Kinderkriegen

Doch wo liegt die Lösung? Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie lässt viele Frauen – besonders Akademikerinnen – lange warten mit dem Kinderkriegen. Oftmals zu lange. Und dann? „Ich habe das Glück, eigene Kinder zu haben. Und ich kann mir den Kummer darüber, kein leibliches Baby bekommen zu können, sehr gut vorstellen“, so die katholische Theologin Michaela Freifrau von Heeremann. Trotzdem hat sie Bedenken, was die künstliche Befruchtung angeht. „Reproduktionsmedizin – da steckt auch das Wort Produkt drin. Und daran störe ich mich. Der Mensch ist kein Produkt.“ Es gibt moralische Bedenken, es gibt den finanziellen Aspekt, es gibt die psychische Belastung. Trotzdem hat die Talkrunde geschafft, was nicht in jeder Sendung gelingt: Die Teilnehmer blieben durchweg aufmerksam, offen und fair und haben beeindruckend diskutiert, wo die Chancen – aber auch die Grenzen – der künstlichen Befruchtung liegen. Die Eizellsspende ist in Deutschland beispielsweise – im Gegensatz zur Samenspende – verboten. Frauen, die mittels einer Eizellspende einer anderen Frau schwanger werden möchten, müssen dafür ins Ausland.

Ab wann sind Eltern zu alt?

ARD "hart aber fair"am Montag 20.03.2017, um 21.00 Uhr, live aus Kölnâhart aber fair: Titel: Alles erreicht, dann noch ein Baby â Kinderwunsch ohne Altersgrenze?Schwanger mit 50 â Caroline Beil macht es vor und erntet Kritik. Soll Eltern alles erlaubt sein, was geht? Erst Karriere und dann noch Nachwuchs, passend zum perfekten Lebensentwurf? Und wie ergeht es Kindern, deren Eltern alt wie Oma und Opa sind?Zu Gast bei Frank Plasberg sind:⢠Dr. Jörg Puchta, Reproduktionsmediziner Moderation Frank PlasbergFOTO© WDR/Dirk Borm

Der Reproduktionsmediziner Dr. Jörg Puchta erklärte Methoden der künstlichen Befruchtung (Foto: WDR/Dirk Borm)

Auch die Frage, ab wann Frauen und Männer zu alt sind, um noch Eltern zu werden, wurde kontrovers diskutiert. Ein Zuschauer fragte: „Wie wird sich ein junger Mensch mit Anfang 20 fühlen, wenn er sich dann bereits um seine pflegebedürftigen Eltern kümmern muss?“ Andere Stimmen waren deutlich positiver: „Ich bin 18 Jahre jung und meine Eltern könnten meine Großeltern sein. Bin ich deshalb unglücklich? Nein“, schrieb ein junger Mann via Twitter. „Politik muss einen Rahmen schaffen, der kinderfreundlicher ist. Kinder sollten vor Karriere kommen!“, so ein weiterer Kommentar. Und das ist, neben der aufschlussreichen Informationen zum Thema Reproduktionsmedizin und „Social Freezing“ (Einfrieren von Einzellen), wohl das, was als drängende Frage im Raum stehen bleibt: Warum schafft es ein reiches Land wie Deutschland nicht, für Frauen Bedingungen zu schaffen, damit sich die Frage „Kind oder Karriere?“ gar nicht mehr stellt? Dann würden auch Akademikerinnen früher Babys bekommen, ohne Angst haben zu müssen, ihre beruflichen Ambitionen einzubüßen.

Am Ende bleibt es eine persönliche Entscheidung, ob man, wie Caroline Beil, mit 50 Jahren noch ein Baby bekommen möchte oder nicht. Schön war, dass in dieser Talkshow nichts verurteilt wurde, sondern tatsächlich Wohlwollen, Verständnis und Aufklärung im Vordergrund standen.

Unser Fazit: Bitte mehr solcher fairen Talkrunden mit intelligenten Gästen. Wer die „Hart aber fair“-Sendung vom 20.03.2017 verpasst hat, kann sie in der Mediathek der ARD anschauen.

 

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