Mutter-Kind-Kur? Dann lieber Urlaub!

MUM, Reise, Wohlfühlen

Dani Doege

Unsere Redakteurin Daniela Döge schildert ihre ganz eigenen Erfahrungen bei einer Mutter-Kind-Kur. Ihr Fazit: Wellness ist etwas anderes

Meine Erfahrungen bei einer Mutter-Kind-Kur. Fazit: Wellness ist etwas anderes!

Drei Wochen Auszeit standen mir bevor: in Form einer gesponserten Reise meiner Krankenkasse. Mit Kind ging es an die Ostsee, für eine dreiwöchige Mutter-Kind-Kur. Ich fühlte mich reif für die Insel – und landete in einem riesigen Hühnerstall. Ich kann ja nicht so gut mit Frauen. Meine besten Freunde sind Männer, Väter finde ich deutlich entspannter und irgendwie fehlt mir zu 90 Prozent der Damen einfach ein guter Draht. Große Freude also, denn bei meiner Kur trafen etwa 80 Frauen mit all ihren Kindern aufeinander. So gut wie jede Einzelne der Frauen war am Limit. Die Kur sollte da für Abhilfe sorgen.

Um moderne Architektur sollte es sich handeln, der Strand ganz nah, die Ostsee eben, kann ja nur gut werden, selbst im November – Meer geht immer! Dachte ich. Die Einrichtung war spärlich, erinnerte an ein Krankenhaus, und wer – wie ich – ein Kind hat, das jede Nacht Schlaflos an der Ostsee nachspielt, hat am 90 Zentimeter breiten Bett seine wahre Freude – oder kauft sich beim nächsten Souvenirshop statt Sandspielzeug und Postkarten lieber eine Isomatte für den Boden. Das mangelnde Sportangebot (zur Auswahl standen: Nordic Walking und Nordic Walking) machte uns im düstersten November zu lästernden Stubenhockerinnen.Die Kinderbetreuung, von der behauptet wurde, sie ginge den ganzen Tag – das heißt von 9 bis 16 Uhr (minus zwei Stunden Mittagspause …) –, fand so gut wie nicht statt. Also hängten uns die Kinder wie Kletten am Bein. Während wir uns also zu Hause im Alltag in der Regel auf Kita, Krippe oder Kindergarten und zum Teil auch auf Kerle verlassen können, hatten wir hier nur uns selbst und 79 andere Frauen, die kurz vor dem Nervenzusammenbruch standen. Und das Essen! Ich fühlte mich wie im Altenheim. Sämtliches Gemüse war bis zum „Zerfall bei Berührung“ gekocht, manchmal gab es auch Brot mit abgelaufener Butter oder das ein oder andere verschimmelte Ei. Der Supermarkt an der Ecke hatte Hochkonjunktur und ich in meinem Schrank Brot, Nutella und ein Sixpack. Die anderen Damen gaben den Großteil für Kippen aus, die sammelten sie am Eingang zur Klinik in zu kleinen Aschenbechern.

Was hilft also durch den Tag? Der Therapie-Stundenplan! Den bekommt jede Mutter für diese drei Wochen auf sich zugeschnitten und so ist zumindest schon ein Teil der Zeit verplant. Medizinische Bäder, Schwimmen, Ernährungstraining, Rückenschule, autogenes Training, Aggressionsbewältigung und, ach ja, Nordic Walking sollten uns Zeit zum Ausspannen geben. Voraussetzung ist natürlich, dass ich als Patientin dort auch eingeteilt werde. Mein Stundenplan war folgendermaßen befüllt: Montag, freiwillige Teilnahme an der Aggressionsbewältigung.

Das war’s. Drei Wochen gähnende Leere, außer Montag. Was genau war noch mal der Hintergrund einer Mutter-Kind-Kur? Ich hatte es bereits vergessen.

Aber es wurde schlimmer: 80 Frauen auf einem Haufen und kein Mann in Sicht? Der Zickenkrieg brach aus! Ehefrauen gegen Alleinerziehende, die gehobene Mittelschicht gegen „die blöden Frisösen“, Stockwerk gegen Stockwerk. Das ging so weit, dass Pizzen in Öfen gesteckt wurden, mit der Absicht, den Feueralarm auszulösen und alle außer Haus zu kriegen. Perfekter Zeitpunkt, um den Hass aller auf sich zu ziehen: 22 Uhr. Kinder ENDLICH gerade eingeschlafen.

Also fing ich mit dem Joggen an und hielt mich fern. Erst zwei Mal pro Woche knapp 5 Kilometer, was ich aber während meiner Anwesenheit auf drei mal 10 Kilometer erhöhen musste. Ich wurde aggressiv – trotz Aggressionstraining –, welches offenbar auch nur als Lästerstunde über die Zustände zu Hause galt.

Meine Tochter fing bald an, andere Kinder nachzumachen: Mama sagt Nein? Schlag ich zu. Mama will nicht? Schreie ich rum. Alles Dinge, die mich nicht wirklich in den Entspannungshimmel brachten.

Nach drei Wochen war ich ein nervliches Wrack und sehnte den letzten Tag herbei. Denn während meiner Zeit in der Kurklinik hatte ich für meine Tochter und mich erst einmal richtigen Wellness-Urlaub gebucht. Ohne Kinderbetreuung, ohne medizinische Versorgung, aber mit viel Sand und Meer.

Mein Fazit: Für mich nie wieder eine Kur. Aber für all diejenigen, die dringend eine brauchen, gilt, sich vorher gründlich über das Konzept der Klinik zu informieren und im Zweifel Bewertungen anderer Kurteilnehmerinnen zu lesen. Denn ich bin davon überzeugt, dass es für jedes Problem auch die richtige Klinik gibt. Ich habe einfach die falsche ausgewählt.

Bild: Danielle MacInnes, unsplash.com

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