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Endlich mehr Heldinnen im Kino

Freizeit, MUM, Medien

Silvia Silko

Derzeit gibt es mehr starke Heldinnen im Kino zu sehen denn je. Sie sind keine Sidekicks für coole Typen – sondern tragen ihre eigenen Storys. Ein kurzer Blick auf die langsame Emanzipation des Popcorn-Kinos

Ein bisschen haben wir uns schon darüber gefreut, als sich Trump via Twitter über den Remake des Kino-Klassikers „Ghostbusters“ ärgerte: Vier Frauen in den grauen Overalls retten die Welt vor Aliens – sowas geht in starr patriarchalen Weltbildern gar nicht. Klar fühlen sich Typen wie Trump auf den Schlips getreten, wenn starke Heldinnen plötzlich das Ruder in der Hand halten – und der Mann nur den lustigen, tollpatschigen Sidekick mimen darf. In männerdominierten Machowelten dürfen Frauen im Film nämlich sehr gerne vorkommen, etwa als leicht bekleidete Bond-Girls oder als diejenigen, die zu retten sind, den Helden bewundern oder ihm sonst wie dabei helfen, seine unendliche Männlichkeit zu unterstreichen.

Dabei übernehmen Frauen hin und wieder in diesen Filmen Schlüsselrollen, am Ende ist es aber der Mann, der weiß wo es lang geht. Etwa im durchaus grandiosen „Das fünfte Element“ (1997), wo Mila Jovovich als perfektes, weibliches Wesen das Medium ist, das die Welt vor einem Angriff schützen soll. Ohne Bruce Willis, der den Kahn dann aber in den sicheren Hafen manövriert, hätte das jedoch niemandem was gebracht. Dieser Beispiele gibt es unzählige. Zeit, dass sich was ändert.

Heldinnen treten die Türen zu Popcorn-Kino ein

misssloane

Universum Film

Klar gibt es schon länger hier und da weibliche Heldinnen, die nicht auf die Hilfe eines Mannes warten, damit dann alles wieder gut wird. Dennoch waren das in der Vergangenheit eher Einzelfälle oder eben eher Beispiele, die sich jenseits des großen Popcorn-Kinos abspielten. Offensichtlich scheint sich hier in den letzten Jahren einiges getan zu haben. So zumindest scheint es, wenn man sich derzeit das Kinoprogramm ansieht. Die jüngsten Erfolgsstreifen sind Filme wie „Wonder Woman“, „Miss Sloane“ oder der heiß erwartete „Atomic Blonde“. Alles drei sehr unterschiedliche Filme, die einen gemeinsamen Nenner haben: Eine intelligente, starke und verdammt coole Frau als Protagonistin.

Heldinnen mit Kopf, starkem linken Haken und Weiblichkeit

Dabei sind diese Heldinnen weder stereotyp, besonders maskulin, noch entsprechen sie dem Wunsch männlicher Schönheitsideale. Vielmehr zeigen sie sich so, wie sich Frauen selbst mit ihnen identifizieren wollen. Klar sind Charlize Theron, Gal Gadot oder Jessica Chastain äußerst attraktive Frauen – dennoch ist ihr Charakter, ihre Art Probleme zu verhandeln und ihre Stärke viel faszinierender. Dabei sind sie wahnsinnig vielschichtig: Miss Sloane, von Chastain wundervoll dargestellt, zeigt uns nicht nur die knallharte Lobbyistin, die skrupellos ihr Ziel verfolgt. Sie gibt sich auch verletzlich, verzweifelt und skeptisch. Ihre Stärke kommt durch ihre Intelligenz und ihr Zugeständnis, nicht perfekt zu sein, nicht immer die Maske vor ihrem Gesicht halten zu können.

Nicht einfach nur eine weitere Comic-Verfilmung

In „Wonder Woman“ wird das Genre der Comic-Verfilmung neu interpretiert. Der Film ist einerseits weit weniger poppig bunt als seine Genre-Genossen und erlaubt der Heldin, sich zu entfalten. Wir sehen nicht nur den üblichen Kampf von Gut gegen Böse, sondern auch die Entwicklung einer Figur, die ihre Menschlichkeit erst finden muss. Üblich weibliche Attribute werden hierbei nicht nur den Frauen, sondern auch Männern zugesprochen: Feinfühligkeit, Mitleid und Schmerz empfindet irgendwann nicht nur Wonder Woman selbst, sondern auch ihr Love-Interest Steve Trevor.

WONDER WOMAN

Warner Bros.

Wer braucht schon Bond …

… wenn wir Atomic Blonde haben? Charlize Theron spielt die kühle Agentin, die in Berlin nicht nur mal eben die Welt retten will, im Hintergrund des kalten Krieges die Drecksarbeit erledigt, sondern auch ihren ehemaligen Partner rächen will. Dabei muss sie nicht nur ein paar böse Jungs vermöbeln, sondern auch noch wahnsinnig heiß beim Vodkatrinken aussehen. Der Film, der diese Woche in die Kinos kommt, wurde heiß ersehnt. Wir sind gespannt, wie er beim Publikum letztendlich ankommt.

Ob also Amazone, Agentin oder Lobbyisten – das Popcorn-Kino zeigt keine langweiligen Aufgüsse immer gleicher Männerbilder mehr. Zum Glück! Es scheint derzeit so, als hätten auch große FilmemacherInnen und ProduzentInnen in Hollywood gemerkt, dass Kino auch gleichberechtigter sein darf – selbst wenn hinter der Kamera bis auf „Wonder Woman“ nur Männer im Regiestuhl saßen. In unserem Interview zu „Batman vs. Superman“ spricht Gal Gadot selbst über starke Frauen in Kinofilmen und ihre Tochter.
Wir freuen uns über die neuen, sehr facettenreich gezeichneten Heldinnen, die natürlich nicht zuletzt von der unglaublich guten Leistung ihrer Schauspielerinnen abhängen. Wir hoffen, der Trend bleibt. Film ab!

 

Titelbild: Atomic Blonde/ Universal Film

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