Beyoncé und Adele bei den Mammy-Awards – ähhh Grammy-Awards

MUM, Medien, Menschen

Silvia Silko

Die Grammy-Awards sind die Oscars der Musikszene und ein jährliches Highlight. Neben grandiosen Performances fielen Adele und Beyoncé vor allem durch die Thematisierung ihrer Mütterlichkeit auf – von der Heiligkeit Marias bis zur fluchenden Demut.

Im Publikum der Grammy-Awards sitzen die Hochkaräter der Musikszene und alle sind perfekt und wundervoll – es sei denn, Kanye West ist mal wieder beleidigt und sprengt Dankesreden anderer Künstlerinnen. Dieses Jahr fielen uns vor allem Beyoncé und Adele auf, die ihr Dasein als Mutter zum Thema machten – und zwar jede auf ihre eigene Art und Weise.

Beyoncé und Adele repräsentieren jeweils sehr unterschiedliche Frauentypen, was bei den Grammy-Awards kaum zu übersehen war. Beyoncé inszenierte sich als glamouröses Marienbild, ganz in gold gekleidet mit einer Art Heiligenschein auf dem Kopf. Ihr Babybauch ist bestens zu erkennen und während sie bei ihrem Auftritt jeden Ton trifft, streichelt sie sich sanft über die Babykugel. Im Hintergrund sieht man sie halbnackt, würdig und schwanger.

Wie schon für ihre Lemonade-Videos zeigt sie sich umgeben von anderen Frauen, also potentiellen Müttern und demonstriert weibliche Stärke indem sie jedoch selbst das Zentrum bildet. Beyoncé ist nicht nur Über-Star und Über-Frau, sie ist auch DIE Über-Mutter.

Als sie den Preis für die Kategorie „Best Album Urban Contemporary“ entgegen nimmt, liest sie ihre Dankesrede aus wohl gewählten Worten vor und dankt Mann und Tochter.

Lust auf Kontrastprogramm? Dann bitte einmal Adele ansehen! Die Britin bricht ihre Hommage an den verstorbenen George Michael ab, flucht, entschuldigt sich und muss ihren Auftritt neu starten. Sie gewinnt den Preis für das beste Album des Jahres, steht schluchzend auf der Bühne und sprudelt drauf los: Sie dankt Beyoncé für ihre Kraft und ihre Kunst und sagt ihr, wie sehr sie sie liebt und bewundert.

Dann spricht sie über ihr Leben als Mutter und erklärt ganz offen, dass sie immer noch mit dem Mutterdasein kämpft und sie dafür mitunter viel Kraft braucht – womit sie mutig ihre postnatalen Depressionen thematisiert. Gleichzeitig bekennt sie, dass ihr Sohn für sie der größte Segen ist und bedankt sich auch bei ihrem Ehemann.

Wir müssen eingestehen, dass eine Mutter und Frau wie Adele direkt Sympathiepunkte sicher hat. Sie scheint im Zugeben ihrer eigenen Fehlbarkeit wahnsinnig viel Stärke aber auch Leichtigkeit zu zeigen. Man weiß bei ihr, dass sie sich selbst nicht allzu ernst nimmt und über jede Art der Situation lachen kann. Beyoncé hingegen ist und bleibt der unnahbare, perfekte Star. Sie weiß sich genauestens zu inszenieren und keine einzige Haarsträhne wagt es, sich falsch um ihr makelloses Gesicht zu legen.

Man kann nun abwinken und eine Frau wie Beyoncé als unrealistisches Abziehbildchen abtun, sich sagen, dass sie ja auch viel mehr Geld hat und ihr Mutterdasein nichts mit dem Alltag echter Mütter zu tun hat. Allerdings greift das zu kurz: In dem Moment, als Adele voller Demut ihrer Konkurrentin ihren Tribut zollt und ihr sagt, wie wundervoll sie sie findet, ringt sie Beyoncé eine ganz natürliche Reaktion ab: Sie ist erstaunt und zu Tränen gerührt.

Darüber hinaus ist Beyoncé wichtig in ihrer Inszenierung als Über-Mutter. Sie rückt die Mutter nämlich in ein kunstvolles und unübersehbares Licht. Sie performt schwanger und zeigt, wie fähig und gleichzeitig stolz sie ist. Die Zeit der zeltähnlichen Umstandskleider ist längst vorbei und Schwangersein ist keine Auszeit vom Showbiz, sondern Teil des Ganzen, scheint sie mit in sich ruhender Selbstverständlichkeit zu sagen.

Somit sind beide Frauen, Adele und Beyoncé, dank des Zugeständnisses ihrer Fehlbarkeit, dank der Feier ihrer eigenen Makellosigkeit und dank des Stolzes, mit dem sie Mütter sind, echte Ikonen. Jede auf ihre eigene Art und Weise und jede mit ihrer ganz eigenen Berechtigung – so wie eben auch Millionen anderer Frauen und Mütter.

Bild: Instagram/recordingsacademy Titelbild: istock.de/ Kevork Djansezian Kollage: Marie Wolf

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