Low Carb, High Fat: So purzeln
die Babypfunde ohne Diät

Food, MUM, Wohlfühlen

Uli Morant

Die letzten Pfunde nach der Schwangerschaft wollen nicht weggehen? Von Diäten raten Fachleute ab, weil sie einzig und allein den Jojo-Effekt fördern. Und ständiger Verzicht macht nur unzufrieden. Wir wollten wissen, was hinter der Ernährungslehre Low Carb, High Fat steckt. Eine Möglichkeit, wieder bewusster zu essen?

Die letzten Pfunde nach der Schwangerschaft wollen nicht weggehen? Von Diäten raten Fachleute ab, weil sie einzig und allein den Jojo-Effekt fördern. Und ständiger Verzicht macht nur unzufrieden. Wir wollten wissen, was hinter der Ernährungslehre Low Carb, High Fat steckt. Eine Möglichkeit, wieder bewusster zu essen?

Dazu haben wir Kathrin Koehler befragt, die als Ernährungscoach für die „Low Carb, High Fat“-Variante (LCHF) plädiert, und wollten von ihr Genaueres wissen.

Was genau ist eine LCHF-Ernährung?

Kathrin Koehler: LCHF steht für „Low Carb, High Fat“. Low Carb kennen ja viele, also die Reduzierung von Kohlenhydraten. Bei LCHF stehen noch die Fette mit auf dem Ernährungsplan. Das heißt: Fett ist erlaubt, aber wir ernähren uns zuckerreduziert, essen keine Nudeln, keine Kartoffeln, keinen Reis, kein Brot. Bei LCHF holt man sich die Kohlenhydrate aus dem Gemüse. Low Carb heißt aber nicht No Carb: 30 Gramm Kohlenhydrate über den Tag verteilt dürfen sein. Und dazu konsumiert man ordentlich Fette. Aber bitte nicht falsch verstehen: Man verzehrt keine Butterberge. Fett hat ja doppelt so viele Kalorien wie Kohlenhydrate, wer also einen schönen Löffel Butter zu einer Portion Gemüse isst, hat damit schon ausreichend Fett für eine Mahlzeit.

Macht es einen Unterschied, welche Öle man verwendet?
Gesättigte Fette wie zum Beispiel Butter werden bei dieser Ernährungslehre sehr empfohlen. Butter verliert auch endlich dieses Stigma, ungesund zu sein. Wir wissen heute, dass nicht das gesättigte Fett schuld ist, wenn man eher einen Herzinfarkt bekommt, sondern seine Kombination mit den Kohlenhydraten. Lässt man die weg, ist alles gut. Meine Ärztin ist immer überrascht, wie viel Butter oder Sahne ich esse. Ich mache wie die Franzosen gerne Sahnesoßen ans Gemüse oder zu einem Stück Fisch oder Fleisch. Doch meine Werte, die ich regelmäßig überprüfen lasse, sind super.

Das klingt aber total ungesund. Genau so, wie man es doch eigentlich nicht machen soll. Woher kommt diese neue Erkenntnis? Ist das medizinisch belegt?
Wir haben in Deutschland den Trend aus Amerika übernommen, viele Kohlenhydrate zu essen und möglichst fettarm. Auch viele Ärzte vermitteln das heute noch so. Es gab aber immer Wissenschaftler, die propagiert haben: Esst mehr Fett. Die wurden jedoch gar nicht gehört, weil die Mehrheitsmeinung eine andere war oder ist. Aber wenn man Zucker und Kohlenhydrate weglässt, kann man wirklich jegliche Form von Fett essen, ohne zuzunehmen. Vielmehr kommt man in einen Stoffwechselzustand, der sich Ketose nennt: Man verbrennt dann nicht mehr Zucker, um Energie zu bekommen, sondern Fett.

Das Weglassen des Zuckers ist also der entscheidende Schlüssel, oder?
Ja. Durch das Weglassen des Zuckers ist man auch fokussierter, kann besser denken und ist allgemein konzentrierter. Zucker wirkt auf das Gehirn manchmal ähnlich wie eine Droge. Es gibt dazu auch interessante Versuche, in denen man Ratten Kokain oder Zucker angeboten hat. Das Erstaunliche: Sie bevorzugen Zucker. Die Konzentrationsfähigkeit lässt sich übrigens gut über Ernährung steuern. Ich trinke zum Beispiel morgens meinen Bulletproof Coffee und weiß, ich bin danach wach und hoch konzentriert. Außerdem denke ich die nächsten fünf, sechs Stunden nicht ans Essen.

Was bitte ist „schusssicherer Kaffee“?
Das ist Kaffee mit einem Stück Butter drin und verschiedenen Ölen …

Das klingt ja widerlich!
Ja, ich weiß. Ich habe fast fünf Jahre gebraucht, bis ich mich das erste Mal überwinden konnte, ihn zu kosten. Das Ganze ist natürlich nur erträglich, wenn man die Butter mit einem Rührstab verquirlt. Aber man kann den Kaffee mit verschiedenen Aromen verfeinern, etwa mit Zimt, oder ich gebe auch manchmal etwas Kokosöl mit rein, dann schmeckt er richtig gut.

LCHF ist aber keine Diät, oder?
Nein, es ist definitiv eine Ernährungsumstellung. Wenn man LCHF als Diät macht, gibt es den bekannten Jo-Jo-Effekt.

Würden Sie diese Ernährung Schwangeren oder stillenden Müttern empfehlen?
In der Schwangerschaft wird LCHF für Mütter empfohlen, die Probleme mit Schwangerschaftsdiabetes haben. Schwangere können sich durchaus so ernähren, denn sie bekommen dadurch viel Kraft und Energie. Die Vitaminversorgung ist über Obst und Gemüse gedeckt. Zudem wird eben komplett auf Zucker verzichtet und es werden einfach nur weniger Kohlenhydrate gegessen. Ich könnte für Schwangere generell kein Ernährungskonzept anbieten, bei dem es um Verzicht geht.

Ist es auch eine gute Möglichkeit um nach der Schwangerschaft die letzten Kilos zu verlieren? Meist bleiben ja doch ein paar hängen und wollen einfach nicht weggehen …
Ja, es ist vor allem eine gute Möglichkeit, sich wieder darauf zu besinnen, was und wie viel man isst.

Kathrin Koehler bietet als Ernährungscoach Webseminare an. Auf ihrer Website lchf-institut findet man auch noch mehr Informationen zum Thema.

Fotos: unsplash

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