Kinder zuckerfrei ernähren – sinnvoll oder übertrieben?

BABY, FAMILIE, Food

Stefanie Staiger

Kinder und Süßigkeiten - ein ewiges Streitthema! Die Erwachsenen möchten, dass der Nachwuchs Obst und Gemüse isst. Die Kleinen sind heiß auf Schokolade, Eis und Co.

Die meisten Eltern kennen den Konflikt: die Kleinen wollen Süßigkeiten, die Erwachsenen bestehen auf gesunde Ernährung und wollen ihrem Nachwuchs klebrige Zahnkiller und kalorienreiche Dickmacher wie Marshmallows, Schokokekse, Gummibärchen und Limonade am liebsten vorenthalten. Doch erstens lauert die Versuchung überall, ob Supermarkt, KiTa oder Kindergeburtstag, und zweitens schmeckt Verbotenes ja oftmals noch viel besser! Was also tun? Süßigkeiten rigoros verbieten und die Kinder in den zuckerfreien Kindergarten schicken? Oder den leckeren Versuchungen nachgeben – aber eben in Maßen. Wir haben zwei Mütter und Bloggerinnen gefragt, wie sie es mit dem Süßigkeitenkonsum ihrer Kinder so halten…

PRO: „Es gibt immer eine Alternative!“ 

Katharina Kraatz

Katharina Kraatz ernährt sich und ihre Familie weitgehend zuckerfrei (Foto: katharinakocht.com)

Katharina Kraatz lebt mit Mann und Sohn in Lüneburg und bloggt unter katharinakocht über gesunde Ernährung:

„Ich bin keine genussfeindliche Spaßbremse, keine fanatische Dogmatikerin. Trotzdem ist einer meiner Ernährungsgrundsätze ganz eindeutig der: so wenig Zucker wie irgend möglich, und zwar sowohl für Mama und Papa als auch für den Nachwuchs. Dass eine hundertprozentige „Zuckerfreiheit“ mit einem Kleinkind nicht funktioniert, habe ich lernen müssen. Aber eine Zielerreichung von 90 Prozent ist definitiv machbar.

Für mich hat das Leben ohne Zucker nur Vorteile: ich bin wacher und fitter, habe keine Heißhungerattacken und nach jahrelangem Kampf habe ich dank zuckerfreier Ernährung nun die Haut, die ich mir immer gewünscht habe. Warum sollte ich das aufgeben? Mein Sohn hat leider auch meine Zuckerempfindlichkeit geerbt und reagiert ganz ähnlich auf Naschkram: Pickel (mit zwei!), völlig überdreht, schläft miserabel. Nach einer durchschnittlichen Familienfeier rennt er umher wie ein Duracell-Häschen auf Speed, weil ihm die lieben Verwandten die Schokobons geradezu in den Mund schieben. Je nach Tagesform fange ich mit den Tanten eine Diskussion an oder nehme ihm die Bonbons einfach aus der Hand. Dass ich mich damit unbeliebt mache, ist mir ziemlich schnuppe. Es nervt mich aber, dass meine Einwände als Mutter des Kindes ignoriert werden. Demnächst erfinde ich eine todesbringende Allergie des Kindes auf Schokolade, echt mal.

Es wäre gelogen, wenn ich sagte, dass es immer leicht wäre mit dem Zuckerfrei, selbst mit den 90 Prozent. Es bedeutet schon ein bisschen Anstrengung und guten Willen. Aber wie feige ist es denn, gleich beim geringsten Hindernis die Flinte ins Korn zu werfen? `Ach, ist ja überall Zucker drin, da kann ich es ja gleich lassen!´ Blödsinn. Und es gibt immer eine Alternative.

Ich verbiete meinem Kind keinen Geburtstagskuchen, und wir beide haben ein festes Date in unserem Lieblingscafé. Ausnahmen sind Ausnahmen, und sie sollen auch sein. Nur muss eben klar sein, dass es besondere Gelegenheiten sind und nicht die Regel. Dass ich dann eben die nervige Mecker-Mama bin? Damit kann ich leben.“

KONTRA: „Genuss gehört auch dazu!“ 

Leonie Lutz-Sorgnit

Leonie Lutz-Sorgnit will ihren Kindern Süßes nicht radikal verbieten (Foto: Bina Terré)

Leonie Lutz-Sorgnit wohnt mit ihren beiden Töchtern Lina (2) und Lilly in Köln und schreibt dort ihren Blog minimenschlein:

„Wofür habt ihr früher euer Taschengeld ausgegeben? Süßigkeiten? Das habe ich auch getan! Und als ich endlich groß genug war, um selber Bus zu fahren, habe ich mir jeden Tag am Kiosk neben der Haltestelle für ein paar Pfennig das Tütchen vollmachen lassen. Das taten nicht alle Kinder, aber ich tat es oft. Denn zuhause achtete meine Mutter sehr darauf, dass wir Kinder wenig Süßigkeiten aßen.

Nun war ich zwar schon ein großes Kind, doch dieses Beispiel zeigt, worauf ich hinaus will: Je mehr Verzicht Kinder üben müssen, desto eher entwickeln sie die Lust darauf. Das heißt: Sie essen woanders Süßes, also Zucker.

Natürlich versuche auch ich im Alltag, Zucker zu vermeiden. Ich koche frisch und ohne Fertigprodukte, unser Kühlschrank ist frei von Fruchtzwergen, Milchschnitte und Co. und auch sonst haben wir selten Süßes zuhause. Unumstritten: Zucker ist das größte Gift für den Körper, er beschert den Menschen nur Krankheiten. Das ist eine Tatsache.

Doch je älter Kinder werden und je stärker sie ins soziale Leben mit anderen eintauchen, desto größer wird die Versuchung. Ob Spielgruppe oder Kindergarten – überall werden Geburtstage und Feste gefeiert, es gibt schokoladenüberzogene Rührkuchen mit bunten Smarties. Soll ich mein Kind hier ausgrenzen, weil es nicht mitessen darf? Definitiv nein. So dogmatisch möchte ich gar nicht sein! Verbot ist der falsche Weg, davon bin ich überzeugt. Vielmehr müssen wir als Eltern doch alle Wege mit unseren Kindern gemeinsam gehen. Und wenn wir sie für gesunde Ernährung sensibilisieren, erkennen sie schon irgendwann selbst, was gut und was schlecht ist – und was man sich auch mal gönnen darf.

Ich bin der Meinung: Wenn Eltern etwas verbieten, wird es umso interessanter. Natürlich achte auch ich darauf, dass die Kleine noch keine Schokohasen zu Ostern bekommt. Aber wenn es dann eben doch einen gibt und sie ihn entdeckt – nun ja, dann gebe ich ihr natürlich ein Stück ab! Ich vermittle meinen Kindern lieber: Gute und gesunde Ernährung macht Spaß und ist wichtig – Genuss gehört aber auch dazu. Und dann darf es auch mal Zucker sein.“

Titelfoto: Yakynina Anastasia / Unsplash 

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