Kind mit Baby im Bett

Geburtsbegleitung: Wen nehme ich am besten mit in den Kreißsaal?

MUM, Menschen

Stefanie Staiger

Es gibt wohl kaum einen intimeren, berührenderen Moment im Leben einer Frau als die Geburt ihres Kindes. Doch wer ist die beste Begleitung für dieses einzigartige Erlebnis? Wer soll mit in den Kreißsaal? Der Vater in spe, die beste Freundin, die Mutter oder die Schwester? Wir haben uns mal umgehört, wer mit in den Kreißsaal durfte.

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Wer kommt mit zur Geburt? In den meisten Fällen der Partner (Foto: Unsplash)

Model Heidi Klum hat ihren Vater Günther nicht nur mit in den Kreißsaal genommen, er durfte die Geburt ihrer Kinder sogar mit der Kamera filmen. „Ich hatte überhaupt kein Problem damit, dass mein Vater das macht“, erklärte die Klum damals ganz entspannt. „Für mich war das total normal.“ Den eigenen Vater mit zur Geburt nehmen? Für die meisten Frauen nicht die erste Wahl. Und dann auch noch mit der Videokamera? Besser nicht. Am liebsten – und übrigens auch am häufigsten –  soll bei deutschen Frauen der Kindsvater mit in den Kreißsaal. Schließlich war er ja auch an der Zeugung maßgeblich beteiligt, hat das Ganze mit zu verantworten und soll dem großen Ereignis dann auch beiwohnen. Aber sind Männer wirklich die geeignetsten Begleiter für den (womöglich stundenlangen) Wehen-Marathon?

Noch vor ein paar Jahrzehnet war die Anwesenheit werdender Väter im Kreißsaal undenkbar. Früher warteten die Männer bestenfalls im Krankenhausflur oder beruhigten ihre Nerven bei Bier und Zigaretten in der Kneipe um die Ecke, bis das Baby da war. Erst seit den 1970ern begleiten in Deutschland die Männer ihre Partnerinnen bei der Geburt. Kulturgeschichtlich gesehen also ein sehr junges Phänomen. In Ländern wie Afrika, weiten Teilen Asiens oder auch der Türkei liegt das Gebären bis heute in Frauenhand. Hebammen und erfahrene Geburtshelferinnen begleiten dort die Mutter durch die Wehen und versorgen das Neugeborene.

Die meisten Männer wollen die Geburt miterleben

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Berührender Moment: Das Baby ist da (Foto: Unsplash)

Heutzutage wollen die meisten Männer bei der Geburt ihrer Kinder dabei sein. „Für mich ist der Übergang vom Paar zur Familie ein Schritt, den man gemeinsam geht. Deshalb war für mich auch klar, dass ich meine Frau in den Kreißsaal begleiten möchte“, sagt beispielsweise Daniel Trapp, Vater von zwei Söhnen aus München. „Argumente wie ´Ich kann kein Blut sehen` oder ähnliches zählen für mich nicht. Die Frauen haben ja schließlich auch keine Wahl. Meine Anwesenheit bei den Geburten zählt für mich zu den wertvollsten und inspirierendsten Momenten meines Lebens.“

So empfinden viele Männer – trotzdem ist manchen im Vorfeld nicht klar, worauf sie sich im Kreißsaal einlassen. Ein gemeinsamer Geburtsvorbereitungskurs kann helfen, Ängste abzubauen, Techniken zu üben und sich auf das große Ereignis vorzubereiten. Dennoch läuft manchmal alles anders als gedacht. Wie zum Beispiel bei Anne Klesse, Mutter von Karl. „Geplant war natürlich, dass mein Freund mit zur Geburt in den Kreißsaal kommt. Aber dann kam es doch anders. Als es losging, war mein Partner gerade 650 Kilometer entfernt in einer anderen Stadt. Kein Flug, kein Zug ging mehr so schnell in dieser Nacht. Also rief ich meine beste Freundin Felicitas an, die seit Tagen „in Bereitschaft“ war – zum Glück. Als sie gegen halb eins in der Nacht ankam waren die Wehen schon so stark, dass wir direkt in den Kreißsaal gebracht wurden. Felicitas meisterte die Geburt mit Bravour und behielt die ganze Zeit die Nerven. Ich habe von einigen Männern gehört, denen im Kreißsaal mulmig wurde. Ich glaube, Frauen sind einfach härter in Nehmen“, so Anne.

Mutter, Freundin oder Schwester mit zur Geburt – warum nicht?

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Mutter, Schwester, beste Freundin: Hauptsache, eine Vetrauensperson (Foto: Unsplash)

Dass eine Frau in der (oft extremen) Geburtssituation hilfreicher sein kann als ein Mann, diese Überzeugung teilen einige Frauen. Manchmal gibt es den Partner zum Kind ja auch auch schlicht und ergreifend nicht mehr. Oder er kann aus anderen Gründen nicht dabei sein. Viele Frauen vetrauen dann auf die eigene Mutter, die Schwester oder die beste Freundin. Schließlich hat man gemeinsam schon einige schwierige Situationen gemeistert und kann auf die Erfahrung und die Intuition der Begleiterin vetrauen. Rebekka Csizmazia begleitete ihre jüngere Schwester bei der Geburt ihrer Tochter. „Es war ein ganz besonderes Erlebnis für mich, schon ab dem Moment, als meine Schwester mich gefragt hatte. Als ich in der Klinik eintraf, ging es auch gerade richtig los. Zu sehen, wie meine Schwester durch die verschiedenen Stufen der Entbindung ging und mit welcher Kraft und Ruhe sie das bewältigt hat, war überaus bewegend. Der berührendste Moment war natürlich, als ich meine kleine Nichte zum ersten Mal gesehen und im Arm gehalten habe.“

Auch Julia Engel aus Berlin hat eine gute Freundin zur Geburt in den Kreißsaal begleitet. „Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, als sie mich damals gefragt hat“, erinnert sie sich. „Es wurden viele lange Stunden, eine anstrengende Geburt. Wir sind stundenlang zwischen dem Zimmer und dem Bad hin- und hergependelt, zwischendurch ging es in die Badewanne zur Entspannung, dann wieder Wehen, dann ging wieder nichts mehr. Ich war einfach da, habe mitgeatmet, mitgelitten, ihre Hand gehalten. Am Ende gab es doch einen Kaiserschnitt. Und dann das überwältigende Glücksgefühl, als das Baby endlich da war!“

Hauptsache, gesund

Jede Geburt ist einzigartig (Foto: Unsplash)

Ob nun der Kindsvater mit in den Kreißsaal kommt, die Mutter oder die beste Freundin, eines sollten alle potentiellen Begleiter mitbringen: Geduld und starke Nerven. Für die werdende Mutter ist die Geburt eine Ausnahmesituation. Da wünscht man sich eine Person an der Seite, der man bedingungslos vetrauen kann, die einfühlsam und sensibel ist, wenn nötig auch mal den Arzt oder die Hebamme anspricht, Stöhnen, Schreinen und Tränen aushält und ganz im Sinne der Gebärenden handelt. Keine Frau kann oder will sich während der Geburt verstellen müssen. Es geht darum, ein Kind gesund auf die Welt zu bringen – das ist die Hauptsache, alles andere ist zweitrangig. Die gute Nachricht hierbei ist: 97 Prozent der in Deutschland geborenen Babys kommen körperlich und geistig gesund zur Welt, das ist eine überdurchschnittlich hohe Zahl, die beruhigt. Die medizinische Versorgung für Mütter und Neugeborene ist sehr gut. Verläuft eine Geburt problemlos, können Mama und Baby das Krankenhaus wenige Stunden nach der Geburt wieder verlassen. Und dann können alle Beteiligten das Glücksgefühl genießen, das Ereignis der Geburt erlebt zu haben.

Aufmacherbild:  Unsplash

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