Hausrenovierung in Kapstadt: Vom Cottage zum modernen Familienhaus

FAMILIE, Interior

Vom eigenen Haus träumen viele - besonders mit Kindern. Nina van Reenen und Sascha Berolsky haben ein Cottage in Kapstadt aus der 1930er-Jahren in eine charmantes Familienhaus umgebaut.

Text: Lori Cohen/ Styling: Sven Alberding/ Fotos: Greg Cox

Treffen Stil und guter Geschmack auf energische Tatkraft, dann entsteht ein Zuhause wie das von Nina van Reenen und Sascha Berolsky in Kapstadt. Nina arbeitet als Kreativdirektorin bei Room 13 und Room 13 Collection. Sascha ist der Macher der erfolgreichen Restaurants „Royale Eatery“ und „El Burro“. Gemeinsam mit den Kindern Leo und Sebastian leben sie in der südafrikanischen Metropole. In Green Point, einem Vorort, der ans Meer grenzt und nur einen Katzensprung vom Stadtzentrum entfernt ist, hat das kreative Duo ein wahres Juwel entdeckt. Ein Arts-and-Crafts-Cottage aus den 1930er-Jahren, das Teil eines einstigen Gehöfts war und mit einstöckiger Höhenbeschränkung an die Stadt verkauft wurde. Das macht das Haus zu einer echten Ausnahme im Viertel, denn ansonsten dominieren mehrgeschossige Wohnungen.

Der Hauskauf war eine mutige Entscheidung

Nina und Sascha sind eines dieser Paare, das Energie mit Visionen verbindet. Sie haben aus dem alten Cottage in exponierter Lage eine moderne Familienvilla gemacht, inklusive Ökopool und Blick auf den Hafen. Leute, die selbst ein Haus suchen, werden neidisch, wenn sie hören, wie den beiden dieses Schmuckstück in den Schoß gefallen ist. Nina war gerade zum zweiten Mal schwanger und bereits Mutter eines aktiven Kleinkindes. Ihre alte Mietwohnung platzte aus allen Nähten. Dann stolperten Sascha und sie zufällig über das überwucherte Grundstück, dass sich gegenüber ihrer Wohnung befand. Ein Anruf beim zuständigen Immobilienagenten genügte – und es gehörte ihnen. Doch dieser Kauf war nichts für Feiglinge! Das Cottage war total heruntergekommen, Landstreicher hatten es bewohnt, der Keller glich einer feuchten Höhle. Zum Glück hatte Sascha, der als „Restaurantkönig“ in Kapstadt gilt, schon Erfahrung mit der Verwandlung von Räumen, die ihr Haltbarkeitsdatum überschritten hatten.

Renovierung unter Zeitdruck

Im zarten Alter von 24 Jahren gründete er das „Royale Eatery“, das Gourmet-Burger in das Herz der angesagtesten Straße der Stadt einführte, eine Livemusik-Location, das mexikanische Restaurant „El Burro“ und zuletzt ein Disney-Burger-Konzept namens „Junior Burger“. Bei jedem Restaurantaufbau, sagt Sascha, habe er neue bautechnische und designerische Fertigkeiten erlernt. Und er liebt nichts mehr, als sich die Hände schmutzig zu machen und unter Hochdruck etwas Neues zu gestalten. „Wir mussten das ganze Haus in drei Monaten fertig haben“, erinnert sich Sascha. „Wir hatten zugesagt, 25 Leute zum Weihnachtsessen einzuladen. Also hatten wir keine andere Wahl.“

Während Sascha eindeutig der Macher ist, besitzt Nina eine weiche Note. Ihre Mutter war eine Innenarchitektenlegende in Kapstadt und Nina hat ihr Talent geerbt. Als Grafikdesignerin mit einem
Auge für ungewöhnliche Objekte gründete sie 2003 zusammen mit ihrer Schwester Michelle eine Agentur für Boutique-Grafikdesign, Room 13, die inzwischen um die Room 13 Collection erweitert wurde. Die Textilien, Tapeten und Drucke aus dem exklusiven Onlineangebot von Interiorprodukten sind im gesamten Haus präsent.

DIY-Projekte sind im ganzen Haus zu finden

Es ist auch eine von ihr designte Tapete, auf die man beim Betreten des Hauses stößt: surreale Kristalle, die auf entwurzelten Wüstenpflanzen thronen. Textur und Tiefe, die durch die Tapete in den Flur dringen, geben den Ton an und prägen das Domizil. Als Sascha das Haus zum ersten Mal sah, wollte er gleich zwei Dinge tun: die Decke freilegen und weiß anmalen, um so viel Licht und Leichtigkeit wie möglich zu schaffen. Und ein Zwischengeschoss bauen, um Nina und ihm einen ruhigen Platz über dem Kleinkind-Wahnsinn zu geben. So hat eine praktische Entscheidung eine Designchance geschaffen. Die graue Stahltreppe umschließt die Wand und ist aus allen Winkeln des Wohnraums sichtbar. Unerschrocken durch die Jahre, in denen er chaotische Räume in gut geölte Verkaufsräume verwandelt hat, schloss sich Sascha mit dem Architekten Alet van Niekerk zusammen, um einen neuen Charakter für das Anwesen zu schaffen, und versammelte dann eine Mannschaft von 20 Arbeitern, um den Bau auszuführen. Dazu gehörte das Ausheben von Gräben im Keller, um das Wasserproblem unter Kontrolle zu bekommen und einen Spielplatz für die Kinder und einen Arbeitsplatz für Nina zu schaffen. Sascha baute einen naturnahen Ökopool, der weder Chemikalien noch Wartung benötigt. Mit der Hilfe seiner Mutter, die einen grünen Daumen hat, planierte und pflanzte er den Garten neu, der das Haus wie eine Farm umgibt und für Privatsphäre gegenüber den Nachbarn sorgt.

Das Paar teilt sich die Arbeit auf

Während Sascha die großen Projekte anpackt, ist Nina eine bekennende Tüftlerin. „Ich gehe an kleinen Dingen im Haus vorbei und stelle eine Verbindung zu etwas anderem her, ich tausche ständig um. Ich bin nie zufrieden“, sagt sie. Beide haben eine Affinität zu Möbeln aus der Jahrhundertmitte und genießen nichts mehr, als in Secondhandläden in der Stadt und in den umliegenden Dörfern zu stöbern. Ninas Vorliebe für ausgefallene Stoffdessins spiegelt sich auch in den Kissen und Plaids wider, die die Sofas und Stühle in allen Zimmern zieren. Während das gesamte Haus für ein modernes, geschäftiges Familienleben entworfen ist, bewahren diese Kleinigkeiten die Balance zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Auf diese Weise haben Nina und Sascha sich ein ideales Gleichgewicht auch von Privat- und Berufsleben geschaffen. „Ich arbeite oft nachts. Tagsüber kann ich zum Strand runter und surfen – und ich verbringe viel Zeit mit unseren Kindern“, sagt Sascha. Das Haus ist dafür einfach perfekt.

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