Aufreger: Private Babyfotos im Internet – ja oder nein?

FAMILIE, Medien

Stephanie Baumgärtner

Der erste Gehversuch, der erste Geburtstag, das erste Wort – aus purem Stolz über die Entwicklungen des eigenen Kindes wird fotografiert und gefilmt um jeden Moment festzuhalten. Während sich einige Eltern die privaten Aufnahmen nur in den eigenen Kreisen ansehen, posten andere die ersten Bilder auf Instagram, Facebook und Co. Die Berlinerin Toyah Diebel ruft nun unter dem Hashtag #deinKindauchnicht zu mehr Verantwortung im Netz auf. Über die Kontroverse und das Recht am eigenen Bild.

#sadbaby, #firstpoo – weinende Babies, Strandbilder des ersten Familienurlaubs, Kinder in vermeintlich peinlichen Situationen. Toyah Diebel kritisiert die häufig fehlende Medienkompetenz der Eltern. Kinder hätten in diesem Alter keine Entscheidungskraft und wären zu den Aufnahmen gezwungen, die auch in späteren Jahren noch im Netz kursieren. Das Internet vergisst schließlich nicht. „Eltern, die Fotos ihrer Kinder posten, ignorieren, missbilligen und missbrauchen deren Recht auf Privatsphäre.“, so Diebel in einem Interview mit ze.tt. Natürlich wollen die Eltern ihren Kindern damit nicht bewusst schaden – ignorieren laut Diebel, ob bewusst oder unbewusst, die Konsequenzen.

Prokovante Bilderstrecke

Um auf die Medienverantwortung aufmerksam zu machen, stellte die Berlinerin die Babyfotos mit Erwachsenen unter dem Hashtag #DeinKindauchnicht nach. Modelle wie Schauspieler und Model Wilson Gonzales Ochsenknecht posieren vor der Kamera von Fotografin Delia Baum. Nackt auf dem Töpchen, mit Babybrei verschmiert oder an der Brust der Mutter – Diebel möchte beim Betrachter ein Gefühl von Unbehagen und Scham auslösen. Über den Fotos steht der Schrifzug „So ein Bild von dir würdest du nie posten? Dein Kind auch nicht.“

Mom-Bashing und scharfe Kritik

Durch das Projekt möchte Diebel einen Diskurs auslösen und Eltern verdeutlichen, dass sie ihren Kindern die Entscheidung, im öffentichen Raum zu stehen, nicht abnehmen können. Innerhalb weniger Minuten löste die Kampagne eine Flut an starken Meinungen und Kritiken aus. Diebel wurde von zahlreichen Mumbloggern und Influencern des Mom-Bashing bezichtigt. Besonders und gerade deshalb, weil sie selbst noch keine Mutter sei. Dies wies Diebel jedoch zurück, sie war schließlich auch mal ein Kind und hätte derartige Bilder von sich auch nicht gewollt.

Datenschutz und bewusster Umgang mit Babyfotos im Internet

Damit private Bilder nicht in falsche Hände geraten oder unpassende Dinge gezeigt werden, rät das Deutschen Kinderhilfswerk zum bewussten Umgang mit Babyfotos. Eltern können vorbeugen, indem sie ihre Privatsphäre- und Sicherheitseinstellungen auf Facebook und Instagram überprüfen. User haben dort die Option, die Zielgruppe von Alben und Fotos einzuschränken – auch nachträglich. Übrigens: Sobald ein Kind 14 Jahre alt ist, müssen die Erwachsenen sogar um Einverständnis bitten, bevor sie ein Foto posten. Das Gesetz geht davon aus, dass Kinder ab diesem Alter bewusst selbstentschieden können. Gesichter können außerdem durch Unschärfe oder Emojis verdeckt werden. Unbedenklich zudem auch Bilder, auf denen die Babies nur von oben oder von hinten zu sehen sind. Eltern sollten beim Posten  darauf achten, nicht zu viele personenbezogene Daten anzugeben. Niemals den vollständigen Namen des Babies im Zusammenhang mit seinem Foto angeben. Ein bewusster Umgang mit sensiblen Daten macht es schwieriger, die Fotos über Suchmaschinen ausfindig zu machen.

Wie seht ihr das? Diskutiert mit uns auf der Luna Mum Facebookseite!

 

Alle Bilder: Delia Baum

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