Einsam mit Baby? Eine Mama erzählt

BABY, MUM, Wohlfühlen

Gerade Erstlingsmütter können sich in der Anfangsphase mit Baby ganz schön einsam fühlen. Unsere Autorin Ranghild Deschner hat das am eigenen Leib erfahren und gibt Tipps gegen die Einsamkeit mit Baby.

Die Floskel „Mit Kind ist man nie wieder allein“ kennen viele werdende Mütter. Sei es der mahnende Satz der Großmutter oder der Ratschlag der Tante, es jetzt nochmal so richtig zu genießen, Zeit für sich zu haben. Recht haben sie. Aber sie vergessen, dass man mit Baby zwar nie wieder allein, aber trotzdem sehr einsam sein kann.

Besuche nach der Geburt – und dann?

Sobald das Kind geboren ist, kommt man erst mal vor lauter Verwandten- und Freundesbesuch zu gar nichts mehr. Alle preisen das Baby, beglückwünschen die junge Familie, bringen Geschenke und Essen. Wenn der erste Begeisterungsturm vorüber ist und auch der Partner wieder angefangen hat zu arbeiten, platzt die Babyblase bei vielen Müttern recht bald.

Zwischen Babykotze, Wäschebergen, Schlafmangel und dem kurz hinunter geschlungenen halben Brötchen sind zwischenmenschliche Begegnungen kaum denkbar. Dieses kleine Wesen, das man sich so sehr gewünscht hat, vereinnahmt jeden noch so versteckten Winkel des eigenen Lebens. Essen, duschen, auf die Toilette gehen – das Baby ist immer dabei.

Natürlich kann man mit seinem Säugling reden, ihm Geschichten von der großen, weiten Welt erzählen. Nur leider kommt bei den ganz Kleinen noch nicht viel mehr zurück als ein verwunderter Blick. Hamlets Monolog ist nichts dagegen. Wir brauchen Reaktionen von Gleichaltrigen, um ein lebendiges Gespräch zu führen. Schlaflieder singen oder dem Baby alle fünf Minuten zu versichern, wie süß es sei, führt leider nicht zu gehaltvollen Geistesergüssen. Irgendwann sehnt man sich eben doch nach Widerworten, anderen Sichtweisen und Perspektiven oder will sich einfach mal dem Jammern hingeben, dass das mit Baby doch alles gar nicht so einfach ist, wie man sich das gedacht hat. Das eigene Kind als Gesprächspartner ist da eher ungeeignet.

Alle sind arbeiten, du bist mit dem Baby allein

Das andere Problem von jungen Müttern ist, dass sich die Welt für Freunde und Bekannte ja meist ganz normal weiterdreht. Sie haben ihre Jobs und verabreden sich unter der Woche höchstens mal zu einer abendlichen Weinschorle. Da sind Verabredungen erst ab 19 Uhr und am liebsten in einem schicken Restaurant oder einer netten Bar denkbar. Aber mit einem Baby in die Bar zu gehen ist leider auch nicht das Wahre. Wenn nicht gerade die beste Freundin zeitgleich schwanger ist, wird es schwierig, sich mit Bekannten und Freunden zu treffen, die eine 40-Stunden-Woche haben.

Tipps gegen die Einsamkeit

Was können frischgebackene Mütter also tun, um der Einsamkeit mit einem Neugeborenen zu entgehen? Zu viel Aktionismus muss gar nicht sein, denn der kann ein Neugeborenes schnell stressen. Es ist sowieso schon überfordert von den ganzen neuen Eindrücken außerhalb des Mutterbauchs.

Aber vielleicht gibt es in der Nähe eine Krabbelgruppe, einen Babyschwimmkurs oder Pekip-Kurse. Diese Kurse dienen meiner Meinung nach nicht unbedingt der Förderung der frühkindlichen Entwicklung. Sie verhindern vor allem die geistige und soziale Verarmung von Erstmüttern. Klar unterhält man sich in solchen Kursen auch nur über die Entwicklungsfortschritte des eigenen Babys, aber man ist nicht so allein. Andere Mütter erzählen vielleicht von den gleichen Problemen, und plötzlich wächst man zu einer Gemeinschaft zusammen.

Eventuell hat man mit den anderen Kursteilnehmerinnen auch nur das Muttersein gemeinsam, mit ein bisschen Glück ist aber auch eine Mama dabei, die ähnliche Ideale oder Interessen hat, wie man selbst. Auch Nachbarn mit kleinen Kindern könnte man genau jetzt mal im Flur ansprechen, um sich auf einen Kaffee zu verabreden. Gute Nachbarn sind sowieso Gold wert, wenn man nur mal kurz Brötchen holen will oder die Milch für den Babybrei alle ist. Der schöne Satz, es bräuchte ein Dorf, um ein Kind großzuziehen, ist auf so vielen Ebenen wahr.

Mütterforen? Lieber nicht!

Ich rate davon ab, sich auf Mütterforen zu tummeln, um Kontakte zu anderen Müttern zu knüpfen. Dort herrscht gefährliches Halbwissen, das als absolute Faktenlage verbreitet wird. Es ist egal, ob man nun stillt oder nicht oder nach einem Rezept für einen zuckerfreien Kuchen zum ersten Geburtstag fragt. Die Forumsteilnehmerinnen werfen einem schnell vor, dass man das mit dem Muttersein falsch macht. Die Stimmung auf solchen Foren ist oft latent aggressiv und Gespräche dort verunsichern eher, als dass sie bestärken.

Ganz anders war es – zumindest für mich – auf Instagram. Dort habe ich tatsächlich tolle Mütter kennen gelernt, manche nur virtuell, andere sogar persönlich, und es entstanden Freundschaften. Da nutzt man die sozialen Medien mal dafür, wozu sie auch gedacht waren. Umtriebigkeit ist in jedem Fall hilfreich, um neue Bekanntschaften zu schließen. Ein bisschen Mut gehört auch dazu, andere Mütter einfach mal anzusprechen. Aber der Mut wird belohnt, und meistens fühlt sich die andere Mutter genauso einsam wie man selbst!

Schon vor der Geburt kannst du andere Mütter kennen lernen – etwa beim Geburtsvorbereitungskurs. Bild: Getty

Andere Mütter treffen – egal wo

Ich kenne das Gefühl der Einsamkeit. Mit meiner Tochter habe ich mich im ersten Jahr oft einsam gefühlt. Mein Mann arbeitet im Einzelhandel und war abends immer erst spät zu Hause. Ich war dann meist schon bettgehfertig, erschöpft von einem Tag allein mit Baby. Auch wenn man es nicht vor die Tür schafft, kann so ein Tag bestehend aus Stillen, Baby dreimal an- und ausziehen und Dauertragen ganz schön schlauchen. Besonders die Winterzeit kann hart sein, wenn es draußen zu frostig ist, um mit einem Neugeborenen spazieren zu gehen und sich alle zu Hause einkuscheln.

Ähnlich ging es auch unserer Kollegin Fenke Gabriel-Schwan: „Mein erster Sohn ist im November geboren. Wir waren erst am Anfang des Jahres nach Berlin gezogen, unser Freundeskreis war noch klein und die Verbindungen eher zart. Außer zu einem Kurs für Rückbildung hatte ich mich zu keinem Babykurs angemeldet. Dafür gab es verschiedene Gründe – zu teuer, zu weit weg oder schlicht: zu muttimäßig. In meiner Vorstellung war das ein sehr erzwungenes Miteinander, und ich wollte definitiv niemand werden, der nur mit anderen Müttern befreundet ist, mit
denen man eben nur das gemeinsam hat: Muttersein.

Aber ich war eben auch die einzige aus unserem nahen Bekanntenkreis, die zu jenem Zeitpunkt ein Baby bekommen hatte. Tja, und dann kam der Winter – so ein richtig fieser Berliner Winter mit Temperaturen bis zu minus 15 Grad. Dass man mit Baby besonders am Anfang ohnehin viel weniger mobil ist, stellte ich schnell fest. Aber wenn es draußen regnete oder gar schneite? Dann glich eine Unternehmung mit Baby einem Marathon. Bis ich meinen Sohn und mich selber angezogen hatte und er im Kinderwagen lag, musste ich zwischendurch noch dreimal Windeln wechseln und zweimal Stillen. „Nur mal kurz vor die Tür gehen“ war manchmal überwältigend anstrengend. Die U-Bahn irgendwohin nehmen? Nein, danke. Also blieb ich viel zu Hause.

Etwas leichter war es natürlich, wenn mein Mann dabei war. Aber auch gemeinsam hatten wir anfangs viel weniger Kontakt mit unseren kinderlosen Freunden. Der neue Tagesrhythmus deckte sich einfach nicht mit dem Berliner Partyleben. Zum Glück kam irgendwann der Frühling und alles wurde entschieden leichter. Auf Spielplätzen lernte ich andere Mütter kennen, mit denen ich tatsächlich mehr gemeinsam hatte als nur die Mutterrolle. Was für ein Glück!“

Es ist wirklich so: Spätestens auf dem Spielplatz führt man wieder Gespräche mit anderen Erwachsenen. In den Großstädten tummeln sich dort so viele Familien, dass es fast unmöglich ist, keine Gleichgesinnten zu treffen. In ein Gespräch wird man fast immer verwickelt. Manchmal wünscht man sich dann fast wieder die einsame Zeit mit Säugling zurück. Aber natürlich nur fast!

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Bilder: Gettyimages

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