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Die Mütter der Modedesigner – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Fashion, MUM

Stephanie Baumgärtner

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – inwieweit liegen Stilgefühl, Kreativität und Talent in den Genen? Wir haben einen Blick in die Stammbäume berühmter Designerinnen und -designer geworfen und stellen euch an dieser Stelle die Mütter der Modedesigner vor.

Designerinnen und Modeschöpfer haben viele Quellen der Inspiration, und oft sind es verschlungene Wege, die sie zu ihrem Beruf geführt haben. Aber am Anfang steht für die meisten von ihnen immer ein Mensch, der sie besonders geprägt hat – und oft ist es die eigene Mutter. Ihr Charakter, ihre Persönlichkeit und ihre Art, sich zu kleiden, prägen ein bestimmtes Frauenbild, und häufig überträgt sich ihr Stil und Geschmack auf den Nachwuchs. Wie also ist ihr Verhältnis zur Mode? Was macht die Mutter, wenn ihr Kind anfängt, sich zu verkleiden und mit der Wirkung seiner Erscheinung zu spielen? Gibt sie dem Kind Raum, sich mit Mode auszudrücken und darüber eine eigene Persönlichkeit zu finden? Und wie reagiert sie, wenn der Sohn Frauenmagazine liest und Röcke tragen oder die Tochter Mode zu ihrem Beruf machen will? Wir stellen ihnen acht Mütter der Modedesigner vor.

Stella McCartney

Paul McCartney And Family

Bild: Getty Images

Modern, minimalistisch und dennoch verspielt – das gleichnamige Label der britischen Designerin Stella McCartney zählt seit seiner Gründung im Jahr 2001 zu einer der international beliebtesten Luxusmarken. Pelz und Leder sucht man in den Kollektionen der Britin vergebens. Seit Beginn ihrer beruflichen Laufbahn spricht sich Stella McCartney gegen die Verwendung tierischer Produkte aus. Eine Einstellung, die nicht von irgendwoher rührt. Die Tochter des Ex-Beatles Paul und der Fotografin Linda McCartney wurde von der Familie geprägt. Ein Schlüsselerlebnis machte Linda und Paul McCartney zu Vegetariern: Als das junge Künstlerpaar auf seiner Farm in Schottland Lammfleisch aß, verirrte sich just in diesem Moment ein kleines Lamm ins Haus. Augenblicklich verging den beiden der Appetit. Fortan herrschte im Hause McCartney die Prämisse: „Niemals etwas mit Gesicht essen!“ Mutter Linda McCartney publizierte mehrere Kochbücher mit Veggie-Gerichten, gründete ein Unternehmen für vegetarische Fertigprodukte und setzte sich aktiv für den Tierschutz ein. Eine Lebenseinstellung, die sich auch auf Stella übertrug. Bereits im Alter von zwölf Jahren begann die Tochter des berühmten Paares, Mode zu entwerfen. Ihr erstes offizielles Kollektionsstück war eine rosafarbene Bomberjacke aus – wie sollte es anders sein – Kunstwildleder. Seit über 18 Jahren schon bleibt die Designerin ihrer veganen Einstellung treu und folgt damit unbeirrt dem Weg ihrer bereits verstorbenen Mutter Linda. 

Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld, Mutter

Bild: Getty Images

„Meine Mutter war eine kühle, aber sehr amüsante Frau“, so Karl Lagerfeld in der Biografie von Paul Sahner. Kein Interview in dem der große Modeschöpfer nicht seine Mutter zitierte. Dabei war ihr Verhältnis nicht unbedingt von Herzlichkeit geprägt. Dennoch schätzte der kürzlich verstorbene Designer zahlreiche Qualitäten seiner Mutter: vor allem ihre Direktheit. Da sie mit seinem Klavierspiel nicht zufrieden war, soll sie eines Tages zu ihm gesagt haben: „Du hast kein Talent! Mal lieber, das macht wenigstens keinen Lärm!“ Ob das seine Karriere beflügelte, wer weiß das schon… Fakt ist, dass Lagerfeld 1953 zusammen mit seiner Mutter nach Paris ging, wo er seine Schulausbildung am Lycée Montaigne beendete. 1954 gewann er mit dem Entwurf eines Wollmantels einen internationalen Designpreis und wurde Assistent von Pierre Balmain. Der Rest ist Geschichte. 

Zac Posen

Zac Posen, Mutter

Bild: Getty Images

Ob das gut gehen kann? Häufig führt die Vermengung von geschäftlichen und privaten Beziehungen zu Turbulenzen. Was aber, wenn die eigene Mutter mit ins Business einsteigt? Die Konstellation scheint bei Zac Posen wunderbar zu funktionieren. Seit seiner Kollektionspremiere 2002 gilt Posen nicht nur als einer der avantgardistischen Designer unserer Zeit, seine Mutter Susan ist jedoch klar die führende Kraft des Unternehmens. Seit über 15 Jahren stattet der US-Designer unter anderem Stars wie Natalie Portman, Kate Winslet, Cameron Diaz und Jennifer Lopez aus. 

Marc Jacobs

Marc Jacobs, Mutter

Bild: Getty Images

Manch einer hat ein innigeres Verhältnis zu den eigenen Großeltern als zu den Eltern. Auch US-Designer Marc Jacobs berichtet von seiner engen Verbindung zu seiner Oma. Die kreative und stylische Dame erkannte Marcs Faible für Mode. Statt der üblichen Technikgeschenke bekam er von ihr zu seiner großen Freude häufig skurrile Kleiderstücke zum Geburtstag. Ab seinem achten Lebensjahr wuchs Marc bei ihr auf. Sie brachte ihm das Stricken bei und inspirierte ihn, seiner wahren Berufung zu folgen und den Schritt in die Fashion-Welt zu wagen. Ihr Glaube daran, dass ihr Enkel ein großer Desinger werden würde, war unerschütterlich. „Sie war es, die mich ermutigte, etwas mit Mode zu machen.“

Missoni

Missoni, Mutter

Bild: Getty Images

Wie die Großmutter, so die Enkelin. Bereits in dritter Generation wird das Erbe der legendären Missoni-Dynastie heute weitergeführt. Das Unternehmen, das Anfang der 1960er Jahre mit seiner ikonischen Zickzack-Optik berühmt wurde, steht noch heute für bunt gemusterte Strickmode. Den Anfang machte 1953 Ottavio Missoni. Mit seiner Frau Rosita, die er bei den Olympischen Spielen kennengelernt hatte, gründete er eine kleine Strickwarenfabrik. Über die nächsten Jahrzehnte etablierte das Ehepaar Missoni, zunächst mit alten Textilmaschinen von Rositas Großeltern, erfolgreich eine Weltmarke. Ende der 1990er Jahre wurde die Firma schließlich an die Kinder übergeben: Sohn Vittorio wurde Marketing-Leiter, Sohn Luca Chefdesigner der Herrenmode sowie der Sportlinie Missoni Sport. Tochter Angela Missoni agiert heute als Kreativdirektorin des Mode-Unternehmens, während im vergangenen Jahr Enkelin Margharita als neuer Creative Director der Unterlinie M Missoni berufen wurde. Wirtschaftliches und kreatives Know-how wird in dieser Familie von Generation zu Generation weitergegeben. 

Laura Biagotti

Laura Biagotti, Mutter

Bild: Getty Images

Familiäres Engagement steckt bei dieser Familie wohl in den Genen: Laura Biagotti brach ihr Traumstudium Archäologie in Rom ab, um ihrer Mutter Delia Soldaini in deren Modeatelier unter die Arme zu greifen. Inspiriert davon entwickelte Laura ihr eigenes Label und avancierte damit zur „Queen of Cashmere“. Nach dem Tod ihres Mannes stieg Tochter Lavinia ins Unternehmen ein – ganz unten. „Meine Mutter war wirklich streng zu mir. An meinem ersten Arbeitstag hat sie mir den Kopierer gezeigt und gesagt: Das ist dein Arbeitsplatz“, erzählte Lavinia der „Welt am Sonntag“ im Interview. Seit dem Tod der Mutter 2017 leitet sie das Familienunternehmen mit sicherer Hand.

Valentino Garavani

Valentino Garavani, Mutter

Bild: Getty Images

Er habe alles seinen Eltern zu verdanken. Im Interview mit der britischen Harper‘s Bazaar verriet der italienische Modegigant Valentino Garavani, dass seine Eltern stets sehr liberal waren. Sie akzeptierten seine Entscheidung, Italien zu verlassen und mit 17 Jahren zum Studium nach Paris zu gehen. Sie unterstützten ihn sogar finanziell, als er später sein Modehaus in Rom eröffnen wollte. Seine Mutter interessierte sich jedoch nicht allzu sehr für Mode. Sie wollte nur, dass er mit dem, was er tat, zufrieden wäre. Ihr eigener Stil war sehr klassisch. Als Valentinos Karriere begann, stellte er ihr alle Couture-Ateliers und alle Kleider, die sie wollte, zur freien Verfügung. Schon damals bevorzugte sie allerdings praktische Kleidung. Sie bat ihn, Kleider zu machen, die für echte Frauen und nicht für den Laufsteg bestimmt waren. „Wer soll das tragen?“ fragte sie, wenn etwas zu exzentrisch für ihren Geschmack war. 

Wolfgang Joop

Wolfgang Joop, Mutter

Bild: Getty Images

Wolfgang Joops Verhältnis zu seinem Vater war kein einfaches. Umso mehr versuchte seine Mutter Charlotte, zwischen den beiden zu vermitteln. Sie verteidigte ihn vor seinem Vater. Besonders als sich der kleine mit Puppen und Mode spielende Junge als schwul outete. „Sie verzehrte sich nicht in der Mutterrolle, sondern blieb immer auch eine Frau. Sie war auch später keine Matrone, kein Muttchen, sondern griff an, wenn ihr etwas nicht passte“, so Wolfgang Joop in einem Beitrag für die „Welt“. Er verdanke ihr viel. Sie habe das wilde, emanzipierte Frauenbild in ihm entworfen und ihn – und damit auch seine Mode – geprägt: „Von ihr habe ich das romantisch-moderne Lebensbild, das immer neue Teile aufnimmt, ohne die alten auszusortieren.“

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