BH-Detox: Heute mal oben ohne aus dem Haus!

Fashion, MUM, Wohlfühlen

Alexandra Brechlin

#noBra ist das Trendthema im Internet und auch auf den Straßen sieht man immer mehr Frauen ohne BH.  Ganz ehrlich, warum auch nicht?

Ich glaube, fast jede Frau erinnert sich noch an das Gefühl vom ersten eigenen BH. Ich habe meinen damals ganz feierlich von meiner Mama überreicht bekommen, inklusive der Worte: „Den brauchst du jetzt, wenn du erwachsen wirst.“ Der BH hat an den Seiten gezwickt, die Spitze am Abschluss des Cups zeichnete sich unter Shirts ab und die Träger schnürrten sich in Verbindung mit einer Tasche über den Schultern schnell ins Fleisch  – aber hey! – es war mein erster BH und ich war verdammt stolz.

Was mir dabei in meiner Aufregung um das Erwachsenwerden nicht bewusst war: Dieses einengende, einschnürende Gefühl sollte ich ab sofort bis zum Ende meines Lebens tragen und ertragen. Aber warum und für wen eigentlich?

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Ist der BH wirklich unverzichtbar?
Die ersten BHs im heutigen Sinne wurden 1883 erfunden und galten lange Zeit als Zeichen der Emanzipation. Der BH löste das Korsett ab, dass bis dato  „die stützende Funktion der Brust“ übernahm und schenkte Frauen so eine völlig neue Sicherheit. Endlich konnten Brüste in eine schöne runde Form gepresst werden, in der nichts mehr umherwackelte, herausrutschte und bei der sich auch in größter Kälte nichts „Anstößiges“ abzeichnete. Kurzum: Ein BH wurde als ebenso erotisch wie praktisch und unverzichtbar deklariert.

Zwar gab es besonders in den 60er Jahren immer wieder Debatten, aber so wirklich ohne aus dem Haus wagten sich wohl nur die wenigsten Frauen.  Auch ich trug meine ganze Pubertät hindurch brav BHs, obwohl sich in Sachen Brustentwicklung seit meinem 14. Lebensjahr so gar nichts mehr tat, das in irgendeiner Form „stützenswert“ wäre.

Nichtsdestotrotz fühlte ich mich ohne BH schutzlos und nicht richtig angezogen. Erst nach meinem Schulabschluss traute ich mich ihn hin und wieder unter weiten Wollpullovern wegzulassen und stellte fest, wie viel besser ich mich ohne fühle.

Busenblitzer als modisches Statement
Und dann, vor einigen Jahren endlich die große Debatte – ausgelöst durch eine Studie von Jean-Denis Rouillon der Universität der Franche-Comté .  Über 15 Jahre untersuchte der Sportmedizinier, welche Auswirkungen ein BH-Verzicht auf die Brüste von 320 Frauen im Alter von 18 bis 25 hatte. Das Ergebnis: Der Verzicht machte die Brüste sogar noch schöner! Die Brust straffe sich ohne Bügel von ganz allein und Webseiten wie brafree.org erklärten, es senke das Brustkrebsrisiko, keine BHs zu tragen. Letzteres ist medizinisch noch nicht belegt, aber alles was ich dachte war: „Ha! Na endlich!“

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Mittlerweile ist das Internet voll von Frauen, die voll bekleidet – aber eben ohne BH – eine neue Form von Freiheit zelebrieren. Selbst Prominenz hat nicht mehr viel für ihn übrig. Allein Model Kendall Jenner lässt sich regelmäßig von Paparazzis skandalös nur mit T-Shirt ablichten, was ohne die altbekannte zweite Lage Stoff freie Sicht auf ihre natürliche Brustform gewährt.

„Oben Ohne“ für immer
Ich würde trotzdem nicht soweit gehen, den BH als Feindbild des Feminismus anzusehen und den  „Ohne-BH-Trend“ als Symbol der Befreiung von Frauen aus gesellschaftlichen Zwängen zu deklarieren. Aber der BH ist eine Norm geworden, der unter Umständen ein Kleidungszwang zu Grunde liegt und keine wirkliche Notwendigkeit.

Wenn ich das so einfach sage, denke ich dabei auch an meine beste Freundin, die mit Körbchengröße E erzählt, sie braucht den BH allein schon um Rückenschmerzen vorzubeugen. Für viele Frauen erfüllt er damit auch ganz praktische und medizinische Aspekte. Ähnlich, wenn Ärzte raten,  beim Sport einen BH zu tragen, damit das Brustgewebe nicht erschlafft. Doch der Gedanke, einfach auch mal einen Tag  „oben ohne“ einzulegen hat etwas Aufatmendes  – im wahrsten Sinne des Wortes. Frauen – und gern auch Männer – dürfen die Wiederentdeckung der Nippel unter dem T-Shirt auch mal  als das ehren, was es ist: ein wiedergewonnenes Stück Echtheit.

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