Wann ist Pucken gut für mein Baby? Zwei Hebammen erklären

BABY, Erstausstattung, Wissen

Isabelle Jänchen

Denkt ihr vielleicht gerade über das Pucken bei eurem Baby nach oder fragt euch, was das eigentlich bedeutet? Wir stellen euch das Pucken als eine Möglichkeit vor, mit der euer Baby schnell und entspannt in den Schlaf findet. Die sympathischen Hebammen Anja Stern und Marie Beinhauer aus Heidelberg haben uns in einem Interview erzählt, wann genau sie diese Technik empfehlen.

Was bedeutet der Begriff Pucken und was hat dies mit dem Moro-Reflex zu tun?

Beim Pucken handelt es sich um eine Wickeltechnik, bei der Baby’s in den ersten Lebensmonaten eng in ein Tuch eingewickelt werden. Hierbei liegen die Ärmchen eng am Körper an, was unkontrollierte Reflexe, wie den sogenannten Moro-Reflex während des Schlafens verhindern soll. Vielen Babies wird so ermöglicht länger und ruhiger zu schlafen.

Das Pucken soll dem Baby ein Gefühl von Geborgenheit schenken, das es auch aus dem begrenzten Raum im Mutterleib gewohnt ist.

Wichtig ist, dass die Reaktion des Baby’s beobachtet wird. Einige Neugeborene fühlen sich wohl so eng eingewickelt zu sein, andere nicht. Wenn sich das Kind nicht beruhigen lässt und schreit muss diese Technik sofort unterlassen werden. Und was empfehlen Hebammen?

Anja Stern und Marie Beinhauer lieben ihren Job als Hebammen. ©Simone Lobgesang

 

Liebe Anja, liebe Marie, ihr arbeitet beide als freiberufliche und auch als angestellte Hebamme in einem Kreißsaal. Nun habt ihr gemeinsam euer Projekt „hallohebamme“ gestartet. Was genau ist eure Mission?

In Deutschland herrscht derzeit ein großer Mangel an Nachsorgehebammen. Dieses Problem bekommen wir nahezu täglich in unserer Arbeit als Hebammen zu spüren. Viele Frauen und Eltern fühlen sich gerade in dieser besonderen Zeit mit ihren Fragen rund um die Schwangerschaft, das Wochenbett und ihrem Kind allein gelassen.

Daher haben wir, zwei ausgebildete Hebammen, uns entschieden, Müttern bei sämtlichen Problemen unterstützend mit unserem Blog zur Seite zu stehen. Bei uns können wichtige Themen nachgelesen werden. Darüber hinaus können uns Mütter bei Fragen kontaktieren.

hallohebamme ist eine moderne Art der Nachsorge. Mit nur wenigen Klicks erhalten Eltern auf unserem Blog jederzeit Zugang zu Artikeln verschiedenster Themengebiete. Wir wollen unser Wissen und unsere Erfahrungen, die wir in den Jahren unserer Tätigkeit als Hebamme erlangt haben, mit euch teilen. Zugleich möchte wir so versuchen, die Sorgen der Mütter bestmöglich zu mindern.

Zusätzlich möchten wir für all diese Mamas und Papas da sein, die bereits eine Hebamme zur Nachbetreuung an ihrer Seite haben. Wir sehen uns keinesfalls als Ersatzhebamme, sondern vielmehr als Ergänzung zu dieser.

Was finden zusätzlich Frauen bei euch, die nicht aus Heidelberg kommen?

Wir verstehen uns als ein schnelles digitales Nachschlagewerk rund um die Themen: Schwangerschaft, Geburt und das Wochenbett.

Wir bieten vor allem den Frauen, die keine Hebamme gefunden haben, die Möglichkeit schnelle, kompetente und verlässlich Antworten zu finden. Antworten auf die für sie relevanten Fragen die im Wochenbett auftreten können. So können wir vielleicht mit unserem Blog im gesamten deutschsprachigen Raum den einen oder anderen Besuch beim Kinderarzt/Kinderärztin, den Gynäkologen/Gynäkologin oder den Notärztlichen Dienst vermeiden.

Ihr seid als Hebammen mit zahlreichen Themen konfrontiert. Das Thema „Pucken“ ist teilweise ein sehr kontroverses Thema. Was haltet ihr von dieser Wickelmethode, empfehlt ihr sie Neu-Eltern?

Das Thema Pucken ist ein spannendes Thema, das sich von Kultur zu Kultur unterscheidet. Beispielsweise werden alle Kinder in der Mongolei fast bis zum 1 Lebensjahr gepuckt. Anders ist es hier in Deutschland, wo das Thema eher hinterfragt wird.

Wir empfehlen es ausschließlich Eltern, die ein sehr unruhiges und häufig schreiendes Kind haben, da dies dem Kind eine Begrenzung, Sicherheit und das Gefühl des Mutterleibes zurückgibt. Für ein paar Stunden am Tag, ist diese Wickelmethode eine gute Möglichkeit, um das Kind zu beruhigen.

Empfiehlt sich diese Technik nur zum Schlafen oder auch tagsüber?

Wir empfehlen das Pucken aus unserer Erfahrung heraus nur in den Phasen anzuwenden, in dem das Kind zur Ruhe kommen soll. Da der Moro-Reflex durch diese Wickeltechnik unterdrückt wird, können die Kinder länger am Stück schlafen. Es ist wichtig, dass die Neugeborenen tagsüber auch immer wieder die Möglichkeit haben, sich frei zu bewegen, um sich optimal entwickeln zu können.

Pucken als eine Art, um dem Baby beim Einschlafen zu unterstützen und zur Entspannung zu verhelfen. @gettyimages

 

Könnt ihr uns kurz erläutern, wie das Pucken eigentlich funktioniert?

Es gibt nicht diese eine Puck-Technik, sondern viele verschiedene. Generell gilt: Es ist wichtig, dass das Tuch, welches zum wickeln verwendet wird, atmungsaktiv und elastisch ist. Kinder sollten nicht „gefesselt“ werden.

Reicht es, wenn man sich als Eltern beliest oder empfiehlt ihr, sich die Art und Weise vorab unbedingt von einem Spezialisten zeigen zu lassen?

Die Anleitung durch eine Hebamme ist generell zu empfehlen. Die verschiedene Wickeltechniken sind natürlich auch auf sozialen Plattformen zu finden, wenn keine Hebamme zu Verfügung steht. Wer auf der ganz sicheren Seite sein möchte, sollte auf fertige Pucktücher/-säcken zurückgreifen. Hier liegen genaue Anleitungen zur richtigen Wickelmethode bei.

Wie lange darf ein Baby eingepuckt bleiben?

Diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten, da auch die Schlafphasen jedes Kindes individuell sind. Es ist wichtig, auf die Signale des Kindes achten.

Dann sollte man nicht pucken

Anja und Marie empfehlen, Baby’s generell nur bis zum zweiten Lebensmonat zu pucken. Nicht anwenden sollte man diese Methode bei Fieber und heissen Außentemperaturen sowie bei Hüftdyplasie, da die Kinder in diesem Fall eine Spreizhose tragen müssen. Auch sobald sich das Kind versucht zu drehen, sollte man das Pucken unterlassen.

Pucktuch als Teil der Erstausstattung: Unsere Favoriten

Zum Pucken eignen sich dünne Baumwolldecken oder große Mulltücher. Einfacher funktioniert es mit Tüchern und Decken, die sich mit Hilfe von Klettverschlüssen fixieren lassen. Mit ein paar mehr Handgriffen eignen sich aber auch einfache Tücher aus Musselin und Jersey.

Apropos schlafen: Alles rund um das Thema Babyschlafsäcke haben wir euch in unserem Beitrag „Babyschlafsack für Sommer und Winter: So trefft ihr die richtige Wahl“ zusammengefasst.

Slider/Teaserimage: ©gettyimages

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