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Babytragen: Über die Vor- und Nachteile von Tragehilfen

BABY, Mobil

Schiebt ihr noch oder tragt ihr schon? Baby Carrier sind eine beliebte Alternative zum Kinderwagen, da sie Eltern mehr Bewegungsfreiheit geben und die meisten Kleinen den Kuschelmodus lieben. Doch nicht für jeden ist das Tragen die beste Lösung. Wir informieren hier über die Vor- und Nachteile von Babytragen.

Das spricht für Babytragen

In einer Tragehilfe hat das Kleine engen Körperkontakt zu Mama oder Papa. Die meisten Minis mögen diese Nähe, sie wirkt beruhigend und stärkt die Bindung zu den Eltern. Diese sind mit Carrier im Alltag flexibler, da sie beide Hände frei haben. Da man mit Trage besser durch enge Gänge kommt und nicht auf Aufzüge angewiesen ist, sind ein Stadtbummel oder ein Besuch im Supermarkt so einfacher zu handeln als mit einem sper- rigen Kinderwagen. Für den Carrier spricht auch, dass er klein und platzsparend ist und so besser verstaut und überallhin mitgenommen werden kann.

Das sind die Nachteile von Babytragen

Fast jeder Kinderwagen verfügt über einen Korb, sodass Eltern mit ihm immer etwas Stauraum haben. Wer das Kind trägt, muss zusätzlich noch Wickeltasche, Einkäufe und Co. schultern. Wenn das Baby älter wird und zunimmt, kann das Tragen recht beschwerlich werden. Auch im Sommer ist der enge Kontakt oft unangenehm: Eltern und Kind heizen sich gegenseitig auf. Für mehr Luftzirkulation sorgen Tragen aus Meshgewebe. Manche Eltern sind generell nicht der Tragetyp und fühlen sich mit Baby im Carrier unwohl oder haben Angst, das Baby könnte herausfallen.

Die korrekte Haltung in der Babytrage

Oberstes Gebot ist, dass Babys Beine immer rechtwinklig angehockt sind. Diese sogenannte Anhock-Spreiz-Hal- tung beugt Hüftschäden beim Baby vor. Tragehilfen unterstützen diese Position, wenn sie einen breiten, ver- stellbaren Steg haben. Reicht dieser dem Baby von Knie- kehle zu Kniekehle, entsteht ein Rundrücken, der ver- hindert, dass das Körpergewicht auf den Hüftköpfen las- tet. Das Baby sollte in den ersten Monaten ausschließlich vor dem Bauch mit Blick zum Körper getragen werden. Diese Variante ist für die Haltung am besten, außerdem ist das Kind nicht so vielen Reizen ausgesetzt, wie wenn es mit dem Blick nach vorne getragen wird. Erst wenn der kleine Racker älter als sechs Monate ist, kann er für kurze Zeit mit Blick nach vorne getragen werden.

Egal, ob ihr euch für ein Tragetuch oder für einen Carrier entscheidet: Richtiges Tragen will gelernt sein und erfordert anfangs viel Geduld. Tragetücher sind in der Handhabung meist komplizierter als Carrier, da die richtige Wickeltechnik erst erlernt werden muss. Es gibt spezielle Tragekurse, in denen ihr die Handhabung eines Tragetuchs lernen könnt.

Babytragen – Das sagt die Osteopathin

Tragehilfen sind als Alternative zum Kinderwagen enorm praktisch. Aber sind sie auch gut fürs Baby? Wir haben die Osteopathin Julia Ziegler gefragt, die sich auf die Behandlung von Säuglingen und Kindern spezialisiert hat. Julia Ziegler hat 2014 den akademischen Titel „Master of Science“ in Kinderosteopathie erworben und ist als Münchens erste Kinderosteopathin MSc im „manutherapeuticum ZIEGLER“ tätig.

LM: Was sind die Vorteile eines Carriers, was die eines Tragetuchs?

Julia Ziegler: Ein Tuch lässt sich vielfältig verwenden, es ist weich und anschmiegsam, dadurch passt es sich gut an den Körper von Mutter oder Vater an. Außerdem kann man es problemlos in jede Handtasche stecken. Ein Carrier dagegen sorgt von Anfang an für die orthopädisch korrekte Anhock-Spreiz-Haltung. Die leichte Handhabung und das schnelle Anbringen sind weitere Pluspunkte. Da das Gewicht des Kindes auf die Hüften verlagert wird, ist eine derartige Trage sehr rückenschonend für die Eltern.

Gibt es auch Schwachstellen bei den beiden Tragehilfen?

Das Tuch ist manchmal in der Handhabung kompliziert, denn es muss schon ein bisschen geübt werden, bis die Wickeltechnik gut funktioniert und alles richtig sitzt. Falsch gebundene Tücher sind auch meist die Ursache für Rückenschmerzen bei den Eltern. Bei einem Carrier müssen die Gurte bei jedem neuen Träger wieder verstellt und individuell angepasst werden – und die sind oft etwas sperrig.

Wie wirkt sich das Tragen auf die Entwicklung der Hüfte des Babys aus?

Häufiges Tragen ist gut für die Entwicklung der Hüfte. Voraussetzung ist allerdings, dass korrekt getragen wird. Egal ob Tragetuch oder Carrier – Kinder sollten immer in der Anhock-Spreiz-Haltung sein. Wie der Name bereits verrät, befindet sich das Baby in einer Hockposition, die Knie sind dabei bis zum Nabel angewinkelt und zeigen leicht nach außen. Durch diese Position wird die Hüfte nach vorne gebracht, ein Rundrücken entsteht und eine Belastung der Hüftköpfe wird vermieden. Ein weiterer Aspekt, der sich positiv auf die kindliche Hüfte auswirkt, ist, dass durch die Bewegung beim Tragen die Durchblutung der Knochen und der Muskulatur stimuliert wird, was letztlich zu einer schnelleren Verknöcherung des Beckens führt.

Und was passiert, wenn das Baby falsch getragen wird?

Haltungsschäden durch falsches Getragenwerden in der Kindheit sind bis heute weder orthopädisch noch osteopathisch bestätigt, da kann ich alle Eltern beruhigen.

Worauf sollten Eltern beim Kauf achten?

Auf alle Fälle sollte die Tragehilfe einen breiten Sitzsteg haben, der es dem Baby erleichtert, die richtige Haltung einzunehmen. Und wie schon erwähnt: Gepolsterte Schultergurte und ein Hüftgurt sind ebenfalls wichtig.

Foto Slider: Babybjörn

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